Projekt “Collins”: Otto verbucht “überplanmäßige Umsätze”

Das Multishop-Projekt “Collins” hat in seinem ersten Geschäftsjahr die Erwartungen der Otto-Gruppe übertroffen. Das geht aus den frisch veröffentlichten Jahreszahlen des Konzerns hervor. Demnach konnte das erst im vergangenen Mai gestartete Multishop-Projekt in zehn Monaten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 28. Februar) einen zweistelligen Millionenbetrag erzielen (netto) – das entspreche einer “überplanmäßigen Umsatzentwicklung“.

Aboutyou.de

Aboutyou.de ist einer von drei Collins-Onlineshops (Bild: Screenshot)

Unter dem Projektnamen Collins werden die drei Fashion-Shops Aboutyou.de, Sistersurprise und Edited betrieben. Die Besonderheit besteht darin, dass externe Entwickler für die Otto-Gruppe tätig werden und Fashion-Apps für den Online-Shop Aboutyou.de programmieren können. Mit den einzelnen Anwendungen will man Kunden zu Mode-Käufen inspirieren, an den Umsätzen der Otto-Tochter werden die verantwortlichen Entwickler anschließend beteiligt.

Während bei Collins das Geschäft erfreulich verläuft, hakt es derzeit bei anderen Händlern aus der Otto-Gruppe. So ging bei Sportscheck der Netto-Umsatz im Geschäftsjahr 2014/2015 um 7,2 Prozent auf 296 Mio. Euro zurück. Damit gab es erneut ein Minus, nachdem der Umsatz bereits im Vorjahr um 5,1 Prozent auf 319 Mio. Euro geschmolzen war. Auch bei der Schwab-Gruppe ging das Geschäft erneut zurück, wo die Große-Größen-Marke Sheego angedockt ist.

Geschäftsjahr 2014/2015: Sportscheck, Schwab und Heine verlieren erneut

Insgesamt sank der Umsatz der Schwab-Gruppe um 9 Prozent auf 232 Mio. Euro, nachdem es im Vorjahr bereits einen Rückgang von 4,4 Prozent auf 255 Mio. Euro gegeben hatte. Auch bei Heine sank der Umsatz erneut. Mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 481 Mio. Euro fällt aber der Rückgang nicht mehr so stark aus wie zuvor (2013/14: -4,2 Prozent auf 482 Mio. Euro).

Positiver fällt die Entwicklung bei Bonprix aus, wo das Geschäft in 27 Ländern auf einem hohen Umsatzniveau von 1,3 Mrd. Euro stagnierte (+0,6 Prozent). Etwas besser lief es bei der Baur-Gruppe, die um 0,7 Prozent auf 674 Mio. Euro zulegen konnte (inkl. Service-Geschäft).

Die Witt-Gruppe wiederum konnte um 1,4 Prozent auf 726 Mio. Euro wachsen, bei der Berliner myToys-Gruppe gab es sogar ein Wachstum von 10,8 Prozent auf 424 Mio. Euro (inkl. Geschäft von Mirapodo und Limango). Der Otto-Versand wiederum konnte um 2,9 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro wachsen. Im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr hat sich das Wachstum damit aber trotzdem deutlich abgeschwächt, wie ich bereits kürzlich auf neuhandeln.de berichtet hatte.

Generell argumentiert die Gruppe, dass man als größter deutscher Textileinzelhändler unter einem rückläufigen Modemarkt gelitten habe. Gerade Heine und Schwab hätte eine schlechte Herbst-/Winter-Saison geschadet, wie es auf meine Nachfrage heißt. Bonprix habe zudem in der Ukraine unter den politischen Unruhen gelitten. Bei Sportscheck habe man die Werbung reduziert, um bei einer Umstellung der IT-Landschaft nicht am Limit operieren zu müssen.

Service-Geschäft der Otto-Gruppe: Zuwächse bei Hermes, Rückgänge bei EOS

Weltweit konnte der Otto-Konzern mit seinen Handelsgesellschaften im Geschäftsjahr 2014/15 einen Netto-Umsatz von 9,9 Mrd. Euro, was ein Prozent weniger ist als im Vorjahr. Das ist aber kein Wunder. So hatte der Konzern gegenüber neuhandeln.de bereits im vergangenen Herbst erklärt, dass der Otto-Gruppe der Verfall des Rubelkurses beim Geschäft in Osteuropa schade.

Der Konzern baut zudem weiter die französische Versendergruppe 3Suisses um, so dass bei der Kernmarke 3Suisses keine Kataloge mehr verschickt werden und das Unternehmen nach und nach als Online-Pureplayer positioniert wird, was ebenfalls Umsatzrückgänge verursache.

Die gesamte Otto-Gruppe kommt im Geschäftsjahr 2014/2015 auf einen weltweiten Umsatz von 12,1 Mrd. Euro, was einem hauchdünnen Zuwachs von 0,5 Prozent entspricht. Hier sind neben den Umsätzen der Handelsgesellschaften auch die Einnahmen aus dem Service-Geschäft enthalten. Beim Segment “Service” (Dienstleistungen durch die Hermes Gruppe) gab es ein Wachstum von 14,9 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro mit Kunden außerhalb der Otto-Gruppe.

Bei den Finanz-Dienstleistungen durch die EOS-Gruppe musste man wiederum ein Minus von 5,6 Prozent auf 645 Mio. Euro verbuchen, was auf die ungünstige Marktentwicklung in Russland zurückzuführen sei. Insgesamt ist der Handelskonzern mit dem Geschäftsjahr 2014/2015 aber nicht zufrieden. Spannend wird es noch einmal, wenn der Konzern demnächst auch Zahlen zum Ergebnis veröffentlicht. Nach einem Bericht des Manager Magazins soll die Otto-Gruppe im Geschäftsjahr 2014/2015 nach einem zuvor positiven Vorsteuerergebnis (EBT) von 224 Mio. Euro einen Verlust vor Steuern in Höhe von 150 bis 200 Mio. Euro ausweisen.

Im vergangenen Geschäftsjahr haben dem Bericht zufolge sowohl das Projekt Collins als auch die myToys-Gruppe und Sportscheck “jeweils zweistellige Millionenverluste erwirtschaftet“. Auf Nachfrage von neuhandeln.de will der Konzern “diese Spekulationen” nicht kommentieren.

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1 Kommentar zu Projekt “Collins”: Otto verbucht “überplanmäßige Umsätze”

  1. Lt. manager magazin liegt der Umsatz von Collinns im niedrigen zeistelligen Millionenbetrag. Anlaufkosten bei ueber 100 Millionen Euro. D.h. im Jahr 2031 wird bei dieser Entwicklung der break even erreicht sein. Das waere eine historische Langzeitgeduld, die an sich nicht OTTO like ist.

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