Projekt „Collins“: Etwa 25 Mio. Euro Umsatz im ersten Jahr

Mit dem ECommerce-Projekt „Collins“ beschreitet die Otto-Gruppe seit einem Jahr ungewohnte Wege im Online-Modehandel. So können externe Entwickler für den Konzern tätig werden und Anwendungen für den Mode-Shop Aboutyou.de programmieren, mit denen Nutzer im Mode-Shop zum Beispiel aus dem vorhandenen Online-Sortiment eigene Outfits gestalten können.

Outfit Gallery Aboutyou.deApps wie die „Outfit Gallery“ sollen Kunden inspirieren (Bild: Screenshot)

Die Ideen dahinter: Solche Anwendungen sollen Kunden zu (Impuls-)Käufen inspirieren. Dazu will der Otto-Konzern durch die freien Entwickler immer wieder an frische Ideen kommen.

Nach offiziellen Angaben geht das Konzept auf. So wurde im ersten Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 28. Februar) laut dem Konzern ein „zweistelliger Millionenbetrag“ erreicht, wie ich im Frühjahr auf neuhandeln.de berichtet hatte. Demnach konnte man bereits in den ersten zehn Monaten seit dem Start im Mai 2014 eine „überplanmäßige Umsatzentwicklung“ verbuchen.

Konkrete Zahlen hatte der Otto-Konzern allerdings nicht genannt. Laut einem Bericht aus dem Hamburger Abendblatt soll „Collins“ im ersten Jahr nun einen Netto-Umsatz von rund 25 Mio. Euro erzielt haben. Auf Nachfrage von neuhandeln.de will man diese Zahl zwar nicht offiziell bestätigen. Der Wert von 25 Mio. Euro entspreche aber schon ungefähr der echten Summe.

Otto-Gruppe hat bereits niedrigen zweistelligen Millionenbetrag investiert

Mit einem Wert von rund 25 Mio. Euro liegt der Jahresumsatz also am unteren Ende dessen, was man mit einem zweistelligen Millionenbetrag umschreiben kann – schließlich würde auch ein Netto-Umsatz von 90 Mio. Euro unter diese Definition fallen. Berücksichtigen muss man zudem auch, dass der Umsatz im ersten Jahr über mehrere Online-Shops erzielt wurde.

Denn neben der Kernmarke Aboutyou.de betreibt das Collins-Team auch noch den Online-Shop Edited.de, wo Kunden ebenfalls Mode ordern können. Zum Portfolio gehört auch der Bademoden-Shop SisterSurprise.de. Im vergangenen Sommer wurde mit HeidisTrachten.de zudem ein Spezial-Shop gestartet, der inzwischen aber wieder offline ist. Beerdigt wurde das Angebot, weil sich der Shop-Betrieb nicht gelohnt hat. Das Trachten-Sortiment ist aber nach wie vor online erhältlich und wird inzwischen über den Online-Shop Aboutyou.de angeboten.

Der Löwenanteil der rund 25 Mio. Euro dürfte daher über die Kernmarke Aboutyou.de erzielt worden sein. Diesem Netto-Umsatz stehen dabei Investitionen im niedrigeren zweistelligen Millionenbereich gegenüber, die der Otto-Konzern bislang für das „Collins“ getätigt hat.

Insgesamt will die Otto-Gruppe einen dreistelligen Millionenbetrag in das Projekt investieren. In weitere Online-Shops wird der Restbetrag allerdings kaum fließen, da man es aktuell bei dem vorhandenden Portfolio mit den drei Shops Aboutyou.de, Edited sowie Sister Surprise belassen will. Die Kernmarke Aboutyou.de soll dafür im Herbst 2015 in der Schweiz starten, nachdem es seit kurzem bereits eine Shop-Version für österreichische Kunden gibt. Der Otto-Konzern dürfte außerdem weiter in Werbung investieren, nachdem es im ersten Geschäftsjahr bereits TV-Spots für die beiden Onlineshop-Marken Aboutyou.de und Edited gegeben hatte.

Zalando Umsätze 2009 bis 2013Zalando kam im ersten Jahr auf sechs Mio. Euro Umsatz (Grafik: Kinnevik)

Mit der Kombination aus TV-Spots und Online-Modehandel hatte hierzulande zuletzt Zalando für Aufsehen gesorgt. Die Berliner kamen in ihrem ersten vollen Geschäftsjahr 2009 übrigens auf einen Netto-Umsatz von sechs Mio. Euro, der damals über Verkäufe in Deutschland und Österreich erzielt worden war – also die Länder, in denen Otto mit „Collins“ auch aktiv ist.

Weitere Gemeinsamkeit: Auch bei Zalando wurde das Geschäft im ersten Jahr erstmals über TV-Spots befeuert. Durch weitere Investitionen in Marketing (TV-Spots) und neue Länder-Shops hat das Geschäft bei Zalando in den Folgejahren stark angezogen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass „Collins“ ebenfalls in weitere europäische Länder expandieren soll. In zwei Jahren soll der Umsatz deshalb mindestens auf einen Wert von 100 Mio. Euro steigen.

Und es gibt noch eine weitere Parallele: Denn im Jahr 2012 – also vier Jahre nach dem Start im Herbst 2008 – hat der Berliner Mode-Versender in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) auf EBIT-Ebene erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen können. Und schwarze Zahlen soll es auch beim Otto-Projekt „Collins“ frühestens in vier bis sechs Jahren geben.

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1 Kommentar zu Projekt „Collins“: Etwa 25 Mio. Euro Umsatz im ersten Jahr

  1. Schöner Beitrag. Spannend zu sehen, welche Gemeinsamkeiten es da gibt.
    Sicher aber auch Unterschiede, nicht zuletzt in der Zeit. Den damals 2009 = 6 Jahre früher, waren viele Umweltfaktoren: Nutzerverhalten, Nutzerwünsche, Endgeräte, Mitbewerber etc. sicher in großen Teilen anders als heute. Ob sich daher diese Gemeinsamkeiten fortschreiten lassen, bleibt zu beobachten.

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