„PaketButler“: Viele Fragezeichen zum Marktstart

Heinrich Dehn

Im Herbst 2014 wurde der „PaketButler“ erstmals in einem Pilotprojekt von Zalando getestet. Nun kommt die faltbare Paketbox auch offiziell auf den Markt, in die Zusteller künftig immer Sendungen packen sollen, wenn der jeweilige Empfänger bei der Paketanlieferung nicht zu Hause ist. Dadurch sollen Kunden nie mehr ein Paket verpassen, das sie dann mühsam in einer Postfiliale abholen müssen. Kuriere wiederum sollen Pakete bei der ersten Zustellung loswerden und so ihr Geschäft entlasten.

PaketButler
Der Paketbutler lässt sich vor der Wohnungstür befestigen (Bild: Feldsechs)

Damit das in der Praxis gelingt, lässt sich die PaketButler-Box auseinander falten und vor die Wohnung stellen. Jetzt kann ein Zusteller die Box mit dem Hand-Scanner öffnen und ein Paket darin ablegen. Der Kunde wiederum bekommt einen PIN-Code, über den sich die Box öffnen und das Paket entnehmen lässt (siehe Foto). Zusätzlich hat die Box einen Sicherheitsgurt, der zwischen Tür und Zarge eingeklemmt wird. So soll man verhindern, dass Fremde eine volle Paketbox klauen. Damit keine Ware abhanden kommt, besteht der PaketButler zudem aus einem schnittfesten Textilgewebe.

Zum Marktstart können Kunden den PaketButler in Hamburg, München, Köln und Bonn nutzen, weitere Städte sollen im Laufe des Jahres folgen. Einer der Projektpartner beim PaketButler ist Paket-Zusteller DHL, der bereits eigene Paketkästen anbietet, die entweder vor Mehrparteienhäusern stehen oder von Kunden an ihr eigenes Haus montiert oder im Vorgarten aufgestellt werden. Mit dem PaketButler hat DHL nun zusätzlich eine Lösung im Angebot, die man sich direkt an die Wohnungstür im Treppenhaus klemmen kann. Wer sich diesen Luxus gönnen will, muss dafür aber tief in die Tasche greifen.

Hoher Verkaufspreis, verhaltene Resonanz bei Paket-Zustellern

So kostet der PaketButler stolze 249 Euro. Das liegt nicht nur über dem ursprünglich anvisierten Preis von einhundert Euro, der schon einmal auf 179 Euro nach oben korrigiert worden ist. Der PaketButler kostet auch mehr als die DHL-Paketkästen, die man sich bereits für 99 Euro ans Haus nageln kann.

Als Begründung für den hohen Preis heißt es, dass es Kostensteigerungen bei Material, Produktion und Konfektion gab. Zwar wird der PaketButler zum Marktstart auf dem DHL-eigenen Online-Marktplatz Allyouneed.com verkauft (vormals: MeinPaket.de) und über Print-Anzeigen in der Bild-Zeitung beworben. Der stolze Preis von 249 Euro dürfte aber einige Kunden von einem Kauf abschrecken – zumal auch gar nicht wirklich sicher ist, was Kunden vom Paketbutler eigentlich nun haben.

Zwar ist DHL an der Entwicklung beteiligt. Offen steht das System prinzipiell aber auch anderen Logistik-Dienstleistern, die Sendungen im PaketButler ablegen können. Grundsätzlich werde dafür von den Zustellern keine weitere Soft- und Hardware benötigt, um eine Einlieferung zu machen. Auf Nachfrage von neuhandeln.de reagieren die Wettbewerber von DHL aber verhalten auf den PaketButler.

Peter Rey DPD
Peter Rey (Bild: DPD)

„Grundsätzlich begrüßen wir neutrale Systeme, die für alle Paketdienste offen sind“, argumentiert stellvertretend Peter Rey von Paket-Zusteller DPD (siehe Foto links). „Geschlossene Systeme einzelner Anbieter halten wir hingegen für nicht zukunftsfähig. Doch neben der Sicherheit der Lösung stellt sich dabei allerdings auch immer die Frage nach einer einfachen Integration in die Prozesse der Paketdienste.“

In Bezug auf den Paketbutler sei diese Frage allerdings – Stand heute – noch nicht abschließend beantwortet.

Es dürfte auch noch einen anderen Grund für die Zurückhaltung geben: Gemeinsam mit Hermes und GLS entwickelt DPD unter dem Namen „ParcelLock“ einen eigenen Paketkasten, mit dem man gegen das DHL-Monopol antreten will. Punkten wollen die drei Verbundpartner bei Verbrauchern damit, dass Kunden über die Paketkästen prinzipiell Pakete von allen Zustellern empfangen können. Das ist der Mehrwert zu den Paketkästen von DHL, über die man nur DHL-Sendungen empfangen kann.

Entscheidend ist aber wohl: Bei „ParcelLock“ sind DPD & Co. direkt in die Entwicklung involviert, was beim PaketButler nicht der Fall ist. Prinzipiell ist zwar vorstellbar, dass DPD & Co. sich auch dem PaketButler anschließen. Mehr Systeme bedeuten aber auch mehr Aufwand und eine höhere Komplexität. Deshalb dürften DPD & Co. zunächst ihre eigene Entwicklung pushen.

Für Verbraucher wäre das schlecht. Denn wer als Kunde prinzipiell alle Pakete in einem Paketkasten empfangen will, muss aktuell sowohl Angebote von DHL als auch ParcelLock parallel nutzen. Zwar ist auch „ParcelLock“ als ein offenes System konzipiert, dem sich auch DHL anschließen könnte. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass DHL seine eigene Lösung aufgeben wird – schließlich hat DHL ja auch eigene Packstationen etabliert. Damit droht damit im Markt für Paketkästen weiter ein Wildwuchs.

Der PaketButler wurde zunächst von 200 Zalando-Kunden in Berlin getestet. Am Pilotprojekt beteiligt waren neben DHL Paket auch die Deutsche Telekom (Provider, Lizenzgeber), Hyve Innovation Design (Produktion) und die Feldsechs Service Gesellschaft (Produktion, Vermarktung).

Schon gewusst? Jeden Freitag erscheint der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de – so erhalten Sie alle Beiträge bequem in Ihr Postfach und verpassen keine Artikel mehr. Über 3.000 Kollegen aus dem Versand- und Multichannel-Handel beziehen bereits den Newsletter – hier geht es zum Abo.

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Marcel Weiß

Kommentare sind deaktiviert.