Otto-Gruppe: So läuft das Geschäft bei den einzelnen Versendern

Adreko

Der Otto-Konzern hat das kürzlich abgelaufene Geschäftsjahr 2016/2017 (Ende: 28. Februar) mit einem Netto-Umsatz von 12,5 Mrd. Euro abgeschlossen. Damit steht für die Handelsgruppe ein Plus von 3,4 Prozent in den Büchern. Wachsen konnte die Gruppe dabei in allen drei Konzernsäulen – also sowohl beim Handelsgeschäft als auch mit den Service- und Finanzdienstleistungen. Interessant dürfte dabei für Leser von neuhandeln.de aber vor allem sein, wie sich die Versender entwickelt haben.

Otto Alexander Birken
Konzern-Chef Alexander Birken (Bild: Otto Group)

Bei der Kernmarke Otto gab es demnach ein Plus von sechs Prozent auf einen Netto-Umsatz von 2,722 Mrd. Euro. Befeuert wurde das Geschäft zum einen über eine Kooperation mit dem Designer Guido Maria Kretschmer, der eine eigene Einrichtungslinie für den Händler entworfen hat. Dazu profitierte der Otto-Versand von der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“, bei der ausgewählte Produkte aus der Show parallel zur Sendung zum Kaufen auf Otto.de beworben wurden. Weil im Vorjahr aber das 20-jährige Jubiläum des Online-Shops Otto.de gefeiert worden war, hatte sich der Umsatz dank vieler Sonderangebote damals noch um knapp zehn Prozent erhöht.

Ein vergleichbares Wachstum steht auch für den Mode-Versender Bonprix in den Büchern. Hier hat sich der Umsatz ebenfalls um sechs Prozent erhöht – allerdings auf insgesamt nur 1,51 Mrd. Euro netto. Weiterer Unterschied: Während der Otto-Versand seinen Netto-Umsatz nahezu komplett in Deutschland erwirtschaftet, ist Bonprix aktuell in 29 Ländern aktiv. Beim Wachstum profitierte Bonprix zum einen von Investitionen in Marketing und Sortiment, wodurch man den Fashion-Händler als eine „sympathische Mode-Marke“ positionieren konnte. Zum anderen hatten Investitionen in IT das Wachstum geschürt, da Bonprix inzwischen Kunden im Online-Shop besser personalisierte Angebote ausspielen kann, die zu ihrem Mode-Geschmack passen. Das Wachstum wäre daher wohl noch stärker ausgefallen, wenn nicht die Marktbedingungen im Textilhandel schwierig gewesen wären.

Unter diesen Rahmenbedingungen hatte auch die Heine-Gruppe zu leiden. Hier hatte unter anderem der warme Herbst im vergangenen Jahr das Geschäft von Heine mit Damenmode erschwert. Insgesamt reduzierte sich der Umsatz der Gruppe um mehr als 23 Prozent auf 282 Mio. Euro. Das liegt aber vor allem daran, dass der Damenmode-Versender Alba Moda im vergangenen Jahr an die Klingel-Gruppe verkauft wurde und der Mode-Händler daher nicht mehr zum Gruppenumsatz beigetragen hat.

Zur Heine-Gruppe gehört auch der auf Möbel und Accessoires spezialisierte Multichannel-Händler Manufactum, der im vergangenen Jahr seinen Netto-Umsatz moderat um drei Prozent auf 92 Mio. Euro erhöhen konnte. Manufactum profitierte beim Geschäft unter anderem davon, dass im September 2016 ein weiteres stationäres Geschäft („Warenhaus“) in Bremen eröffnet worden ist. Insgesamt kommt Manufactum („Das Warenhaus der guten Dinge“) nun auf ein Dutzend Filialgeschäfte in Deutschland.

Gesunken ist der Umsatz dagegen bei der Schwab-Gruppe, zu der neben dem Universalversender Schwab noch die Plus-Size-Modemarke Sheego und das Exportgeschäft von Mode nach Osteuropa unter der Marke „Avendro“ gehören. Insgesamt sank der Umsatz der Gruppe um sechs Prozent auf rund 200 Mio. Euro, nachdem es bereits im Vorjahr ein Minus von 6,9 Prozent auf 216 Mio. Euro netto gegeben hatte. Zum einen sank der Umsatz, weil das Geschäft in osteuropäischen Märkten wie Russland und der Ukraine weiter schwierig bleibt. Zum anderen investiert die Otto-Gruppe kaum noch in den Universalversender Schwab. Vielmehr wird das vorhandene Kundenpotenzial ausgeschöpft, während parallel die Plus-Size-Marke Sheego langfristig zur wichtigsten Ertragssäule werden soll.



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Zurück ging das Geschäft auch bei der Baur-Gruppe, wo der Umsatz um zwei Prozent auf knapp 670 Mio. Euro gesunken ist. Zwar konnte die auf Logistik-Services spezialisierte Baur Fulfillment Solutions GmbH (BFS) neue Kunden gewinnen und die Erwartungen übertreffen. Doch beim Baur-Versand ging das Geschäft wegen einem „aggressiven Wettbewerb“ und einer „schwachen Textilkonjunktur“ zurück.

Noch stärker gesunken als bei der Baur-Gruppe sind die Umsätze bei dem Multichannel-Händler Sportscheck, der ein Umsatzminus von knapp neun Prozent auf 291 Mio. Euro verbuchen musste. Bitter ist das nicht zuletzt, weil der Umsatz nach rückläufigen Jahren zuletzt noch um 7,7 Prozent auf 319 Mio. Euro angezogen hatte. Jetzt aber hat eine „Neuausrichtung des Geschäftsmodells“ den Umsatz von SportScheck reduziert. So wird zum Beispiel beim Sortiment der Fokus zunehmend auf Schuhe und Equipment gelegt, während parallel das Geschäft mit Textilien zurückgefahren wird.

Wachsen konnte dagegen die myToys.de-Gruppe, zu der die Online-Shops myToys.de (Spielwaren), Ambellis (Damenmode) sowie Mirapodo (Schuhe) und Yomonda.de (Möbel) plus der auf Familien spezialisierte Shopping-Club Limango zählen. Demnach kommen die Berliner auf einen Netto-Umsatz von 556 Mio. Euro, was einem Plus von zehn Prozent zum Vorjahr entspricht. Ein genereller Wachstumstreiber war, dass myToys.de die Zielgruppe der Familien und Frauen zunehmend besser erreiche. Dazu hatten Investitionen in die IT das Geschäft befeuert. So wurde unter anderem eine neue Shop-Plattform entwickelt, die für die Bedienung auf Touchscreens optimiert wurde. 2016 wurden zudem Apps für die Smartphone-Betriebssysteme iOS (Apple) und Android (Google) veröffentlicht.

Die Witt-Gruppe wiederum hielt die Umsätze mit knapp 760 Mio. Euro auf Vorjahresniveau, während der Jagd-Ausstatter Frankonia beim Umsatz um 7,2 Prozent auf 136 Mio. Euro zulegen konnte. Genaue Hintergründe nennt die Gruppe nicht. Das gilt auch für das Start-Up Collins, zu dem die Mode-Shops Aboutyou.de und Edited.de gehören. Hier haben sich die Umsätze verdoppelt auf 135 Mio. Euro.

Ein Grund dürfte sein, dass im vergangenen Jahr erneut mit TV-Spots geworben wurde. Gewachsen ist die Otto-Tochter zuletzt auch, weil man das Sortiment weiter vergrößern konnte. Profitiert haben dürfte die Otto-Tochter zudem von den beiden Auslandsversionen von Aboutyou.de für Kunden in Österreich und der Schweiz, die im Herbst 2015 gestartet wurden und damit 2016/2017 erstmals ein volles Jahr zum Umsatz beigetragen haben. Das gilt auch für einen Shopping-Club (Start: Herbst 2015).

„Wir sind mit dem erreichten Umsatzwachstum sehr zufrieden“, freut sich Alexander Birken (siehe Foto), der am 1. Januar 2017 den Vorstandsvorsitz der Otto-Gruppe übernommen hat. „Unsere Firmen konnten in ihren Märkten erneut an Kundenrelevanz gewinnen. Zugleich haben wir unsere Profitabilität verbessert und werden das Jahr auf allen Gewinnebenen klar positiv abschließen.“