Online-Modehandel: Und Amazon kann Fashion eben doch

In einschlägigen Fachmedien und Blogs ist immer wieder zu lesen, dass Amazon angeblich „keine Mode kann„. Diese Behauptung halte ich so allerdings nicht für haltbar. Denn in meinem Umfeld wird Amazon durchaus als Mode-Versender wahrgenommen und eben nicht nur als ein Buchversand. Repräsentativ muss das allerdings natürlich auch nicht sein. Und da Amazon selbst keine Zahlen zum Mode-Geschäft veröffentlicht (der E-Commerce-Riese macht selbst nur Umsatzangaben in den beiden Kategorien „Media“ sowie „Electronics and other general merchandise“) , habe ich mir einen Beitrag zur Mode-Thematik bislang verkniffen. Bis heute.

Martin Groß-AlbenhausenBildquelle: neuhandeln.de

Denn auf dem E-Commerce-Frühstück von Handelskraft in München (siehe Foto) hat Martin Groß-Albenhausen vom Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel (BEVH) vergangene Woche mit selbst erhobenen Zahlen des Versandverbandes anschaulich aufgezeigt, dass Amazon im deutschen Online-Modehandel sehr wohl eine wichtige Rolle spielt.

Diese Zahlen stammen aus der Branchen-Studie zum Konsumentenverhalten im deutschen Online- und Versandhandel, die der BVEH jedes Jahr veröffentlicht und dazu ca. 40.000 Verbraucher telefonisch und online befragt (Details zur Methodik gibt es hier). Dabei fragt der Verband auch nach, wo konkret denn Kunden im Versandhandel geordert haben. Der vom Kunden genannte Händler wird dann jeweils einer von insgesamt vier möglichen Kategorien zugeordnet: Multichannel-Händler (z.B. Katalogversender mit Online-Shop), Online-Pureplayer, stationäre Händler mit Online-Shop (inkl. Vertikalisten wie H&M oder Zara) oder eben Amazon.

BEVH-Umfrage Online-ModekaufBildquelle: BEVH

Das Chart vom BEVH zeigt nun auf, dass gerade in den vergangenen beiden Jahren immer mehr Verbraucher ihre Mode online bei Amazon gekauft haben (siehe Grafik). Dass Konkurrenten wie Zalando daher Amazon das Leben schwer machen sollen, bezweifle ich dann doch. Ähnlich hat auch Martin Groß-Albenhausen – mein ehemaliger Kollege und Vorgänger beim Versandhausberater – auf dem Handelskraft-Frühstück vergangene Woche in München argumentiert:

„Ich glaube nicht, dass Amazon ein Problem mit Zalando hat und deswegen seinen Fashion-Shop Javari einstellt. Amazon dürfte Javari wahrscheinlich einfach nicht mehr brauchen, weil das Mode-Geschäft auf der eigenen Online-Plattform bereits sehr groß geworden ist.“

Ein Detail muss man zu den BEVH-Zahlen aber noch anmerken: Der Verband hat erst 2013 für alle Einkäufe bei Amazon eine eigene Rubrik geschaffen. Zuvor wurden die Einkäufe bei Amazon den Online-Pureplayern zugerechnet. Das könnte erklären, warum im vergangenen Jahr bei Amazon das Geschäft mit Mode angezogen und bei Online-Pureplayern nachgelassen hat.

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2 Kommentare zu Online-Modehandel: Und Amazon kann Fashion eben doch

  1. Hallo Stephan, kurze Erläuterung: Die Amazon-Zahlen (also nur Amazon) erheben wir seit je. Wir haben 2013 erstmals die Marktplätze aus den Zahlen der Pureplayer herausgezogen. Also für 2012 sind die Amazon-Werte noch Teil der Pureplayer, 2013 eben nicht mehr. Sonst hätten wir 2013 einen sehr hohen Anstieg der „Pureplayer inkl. Marktplätze“ gehabt. Der leicht abfallende Wert bei den Pureplayern in 2013 ist demnach eigentlich ein sehr guter Wert, denn er zeigt, dass trotz des Wegfalls der Marktplätze die Pureplayer ihren Wert fast gehalten haben. Aber der singuläre Wert von Amazon zeigt eben auch, dass Amazon allein und als Marktplatz im Mode-Segment massiv zugelegt hat. Die Gründe habe ich in München ja anhand der Mode-Konzepte von Amazon Fashion (Print, Anpassung des Shop-Designs bei Mode etc.) aufgezeigt.

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