Online-Marktplätze: Rakuten will “Click & Collect” anbieten

Die Rakuten Deutschland GmbH denkt darüber nach, ihren Kunden-Service künftig in den stationären Einzelhandel zu verlängern. Das hat der für den deutschen Online-Marktplatz verantwortliche Strategie-Chef Erik Meierhoff am Dienstag auf der Veranstaltung Brand Commerce in Aussicht gestellt. Demnach plane man, dass Kunden künftig Ware online auf Rakuten.de bestellen und anschließend auf Wunsch in einem stationären Ladengeschäft abholen können (“Click & Collect”). Auf diese Weise könne man einerseits den Kundenservice erweitern. Andererseits wolle man sich durch den Abholservice ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen, um Marken den (Direkt-)Vertrieb über den hauseigenen Online-Marktplatz schmackhaft zu machen.

RakutenBildquelle: Screenshot

Für Markenartikler dürfte es durchaus interessant sein, wenn sie Kunden über den Online-Marktplatz in stationäre Geschäfte locken könnten. Denn mit dem Verkauf über Online-Marktplätze tun sich Markenartikler nach wie vor schwer, wie die Gespräche auf dem Marken-Kongress verdeutlicht haben. So fürchten Hersteller beispielsweise, dass ihr Image durch den Verkauf über Online-Marktplätze beschädigt werden könnte – weil dort auch Gebrauchtware verkauft wird oder sich Marken nur in einem Standard-Design präsentieren können.

Dennoch sind Online-Marktplätze ein interessanter Kanal. Schließlich tummeln sich bei Amazon & Co. zahlreiche Kunden (allein eBay Deutschland zählt nach eigenen Angaben aktuell 16,5 Mio. aktive Kunden), für die Online-Shops außerhalb der Marktplätze in vielen Fällen wohl unattraktiv sein dürften – weil man dort zum Einkaufen beispielsweise wieder seine persönlichen Daten angeben muss, die bei Amazon & Co. bereits hinterlegt sind.

Über einen Abholservice könnten Hersteller nun prinzipiell Marktplatz-Käufer online anfixen, um den Kauf in Filialen abzuschließen. Dort könnte man dann im gewohnten Markenumfeld – wahlweise in Monobrand-Stores oder Filialen von autorisierten Handelspartern – zusätzliche Beratungsleistungen anbieten oder Kunden weitere Produkte schmackhaft machen. Steigern ließe sich die Nachfrage nach Abholservices zudem, wenn Kunden die Ware in einer Filiale versandkostenfrei erhalten – während für die Lieferung nach Hause ein Porto anfällt.

Wann Rakuten konkret mit Click & Coll starten will und wie der Service in der Praxis genau aussehen soll, verrät Rakuten momentan noch nicht. Um für Kunden und Marken aber einen Mehrwert zu bieten, sollte sich Rakuten nicht zu viel Zeit lassen. Zwar bietet hierzulande Amazon beispielsweise erst an, dass Kunden ihre Ware (zum regulären Porto) in Postfilialen oder Hermes-Shops abholen können. Konkurrent eBay hat gegenüber neuhandeln.de aber bereits verraten, dass man in Deutschland künftig ebenfalls Multichannel-Services anbieten will.

In Großbritannien kooperiert eBay bereits mit dem Multichannel-Händler Argos, so dass sich Kunden ihre Käufe auf Wunsch zur Abholung in eine Filiale liefern lassen. Auf diese Weise will eBay seinen Kunden einen zusätzlichen Service bieten und Argos die Frequenz in seinen Geschäften steigern. Allerdings ist der Service noch ausbaufähig. So können nämlich prinzipiell alle eBay-Händler ihre Ware an Argos liefern, wenn sie einen kostenlosen und schnellen Versand garantieren. Portokosten würden für Kunden also ohnehin nicht anfallen.

Weil die Ware der eBay-Händler zudem nicht von Argos stammt, lassen sich vor Ort schwer weitere Beratungs- oder Zusatzleistungen verkaufen. Die Ware muss zudem erst vom eBay-Händler an Argos geliefert werden, damit eine Abholung möglich ist. Kunden müssen also auch bei einer Abholung die reguläre Paketlaufzeit abwarten, eine direkte Abholung gleich nach der Order ist nicht möglich. Spannend wäre daher, wenn Kunden von Rakuten künftig direkt auf die Filialbestände zugreifen und Ware direkt nach dem Kauf vor Ort abholen könnten.

Schon gewusst? Jeden Freitag erscheint der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de – so erhalten Sie alle Beiträge bequem in Ihr Postfach und verpassen keine Artikel mehr – hier geht’s zum Abo.

Weiterlesen

“Wirtschaftliche Gründe”: SportScheck verlässt Essen endgültig Der Multichannel-Händler SportScheck verabschiedet sich nun doch von seinem Ladengeschäft in Essen. Konkret wird die Otto-Tochter ihren Mietvertrag im Ruhrgebiet auslaufen lassen und die Filiale dadur...
Filialexpansion: Tennis Point mit drei neuen Standorten Der Spezialversender Tennis Point expandiert weiter im stationären Einzelhandel. Konkret soll noch in diesem Monat ein Geschäft in Frankfurt eröffnen. Punkten will der Sportartikel-Spezialist vor Ort ...
Partnerprogramm: Mister Spex gewinnt holländische Optiker Der Online-Optiker Mister Spex gewinnt weitere Partner aus dem stationären Einzelhandel. So kooperieren nun lokale Optiker in den Niederlanden mit den Berlinern, die ihr Multichannel-Partnerprogramm n...
Mode-Handel: Bonprix mit neuer Strategie für das Filialgeschäft Der Mode-Händler Bonprix strukturiert sein Filialnetz um. Aus diesem Grund verabschiedet sich der Multichannel-Händler aus der Otto-Gruppe von allen kleinflächigen Stores in Deutschland und dem europä...
Verbundgruppen: Das plant Expert beim Multichannel-Handel Die Verbundgruppe Expert feilt weiter an ihrer Multichannel-Strategie. Langfristiges Ziel ist demnach nicht nur, dass Verbraucher einmal alle Produkte aus den Warensortimenten der angeschlossenen Händ...

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. geistreich News: Die Samwer Brüder, Zalando, Magento, Asos, Alibaba

Kommentare sind deaktiviert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen