Neue Strategie: Warum bei Redcoon der Umsatz schmilzt

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Medienberichte, nach denen der Online-Umsatz bei dem Elektronik-Versender Redcoon anscheinend stark zurückgeht. Auf Nachfrage von neuhandeln.de hatte die für den Online-Pureplayer verantwortliche Media-Saturn-Gruppe diese Berichte bislang nicht kommentiert. Begründung: Der Konzern verrate generell keine Zahlen zu einzelnen Vertriebslinien. Seit heute ist es dennoch offiziell, dass der Umsatz bei dem Elektronik-Versender tatsächlich sinkt.

Das gilt zumindest für das letzte Quartal aus dem vergangenen Kalenderjahr. Denn die Monate Oktober 2015 bis Dezember 2015 entsprechen auch dem ersten Quartal des gerade laufenden Geschäftsjahres 2015/2016 (Stichtag: 30. September) der Metro-Gruppe, zu der wiederum die Media-Saturn-Holding mit ihrem Elektronik-Versender Redcoon gehört. Die Konzernmutter Metro hat heute den Finanzbericht für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2015/2016 veröffentlicht, laut dem der Umsatz von Redcoon in den Monaten Oktober bis Dezember 2015 im Vergleich zum Vorjahr gesunken sei.

Neue Strategie: Abkehr vom Graumarkt, Rückzug aus Großhandel

Überraschend kommt dieser Abwärtstrend aber nicht. So argumentiert der Metro-Konzern, dass sich beim Geschäft von Redcoon schlichtweg eine neue strategische Ausrichtung „negativ bemerkbar“ mache. Gemeint sind damit zunächst einmal die personellen Veränderungen im Management des Online-Pureplayers, über die ich erst vor kurzem auf neuhandeln.de berichtet hatte.

Martin Sinner
Martin Sinner (Bild: Media-Saturn)

Zur Erinnerung: Die Media-Saturn-Gruppe hat sich erst im vergangenen Jahr dazu entschieden, die operative Führung von Redcoon an die Media-Saturn-Landesgesellschaften abzugeben. Zuvor hatte der Elektronik-Versender ein eigenes Management-Team, das zuletzt von Martin Sinner (siehe Foto links) geführt würde.

Er ist seit diesem Jahr aber nicht mehr operativ für Redcoon tätig und verantwortet stattdessen ausschließlich das Geschäft der internen Einheit „Electronics Online Group“ (EOG), die er zuvor noch in einer Doppelfunktion neben seiner Aufgabe als CEO bei Redcoon geführt hatte.

Für Sinner rückte mit Ralf Laffert ein neuer Geschäftsführer in das Redcoon-Management, der bereits als Chief Procurement Officer für Media-Saturn Deutschland zuständig ist. Neu im Management von Redcoon ist zudem Mirko Nägele, der als Chief Operating Officer (COO) die operativen Themen steuert und dazu Geschäftsführer der Media Markt E-Business GmbH ist.

Während diese Veränderungen nur die deutsche Redcoon GmbH betreffen, gibt es in den sieben weiteren Ländermärkten von Redcoon seit diesem Jahr erstmals ein lokales Management-Team. Auch hier wurde das Management mit Führungskräften aus den entsprechenden Media-Saturn-Landesgesellschaften besetzt. So will man das Portfolio von Redcoon in den insgesamt acht Ländermärkten in Europa an lokale Gegebenheiten anpassen und von Synergien bei Einkauf, Logistik und Vertrieb profitieren. So erhofft man sich etwa bessere Einkaufspreise, wenn man mit höheren Stückzahlen punkten kann. Wurde früher schließlich für Redcoon alleine eingekauft, so ordert man nun Ware für die drei Vertriebsmarken Redcoon, Media-Markt und Saturn.

Online-Umsatz von Media-Saturn
Die aktuellen Quartalszahlen zum Online-Geschäft im Überblick (Grafik: Metro)

Bis die Veränderungen greifen, dauert es aber. Denn im vergangenen Quartal hatten die Umstellungen zunächst dazu geführt, dass Redcoon keine Produkte mehr auf dem Graumarkt – und damit an den Herstellern vorbei – beschafft (was etwa der Fall ist, wenn Online-Händler ihre Produkte bei einem stationären Händler kaufen). Weil sich über den Graumarkt viele Produkte günstig beschaffen lassen, können Händler diesen Preisvorteil an ihre Kunden weitergeben. Das ist bei Redcoon nun aber nicht mehr der Fall, wodurch der Elektronik-Versender auch weniger preisattraktiv für Kunden ist.

Durch die neue Aufstellung verabschiedet sich Redcoon zudem aus dem Großhandelsgeschäft mit Graumarkt-Ware, über das man bisher zusätzliche Umsätze zum B2C-Geschäft erzielte.

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Trotz der Umsatzrückgänge bei Redcoon hat sich das Online-Geschäft der gesamten Media-Saturn-Gruppe allerdings auch im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 gut entwickelt. So konnte der Handelskonzern über sämtliche Online-Shops von Redcoon, Media-Markt und Saturn einen Netto-Umsatz von 574 Mio. Euro erzielen (siehe Grafik) und damit im Vergleich zur Vorjahresperiode um zwölf Prozent zulegen. Getrieben wurden dieses Wachstum einmal mehr dadurch, dass Kunden online immer mehr Produkte bestellen können. So gab es Ende Dezember 2015 rund 217.000 Produkte im deutschen Online-Shop Mediamarkt.de sowie rund 194.000 bei Saturn.de. Ein Quartal zuvor lagen diese Werte erst bei 150.000 Produkten (Mediamarkt.de) beziehungsweise 130.000 Artikeln (Saturn.de).

Aktuell gibt es vom Online-Shop von Saturn vier Länderangebote, bei Media-Markt sind es 13 Länder-Shops. Dazu kommt im Internet das Geschäft des Online-Pureplayers Redcoon, der in acht Ländern Europas aktiv ist und 2011 von der Gruppe aufgekauft wurde. Im Online-Umsatz ist zudem das Geschäft des russischen Elektronik-Händlers 003.ru enthalten, den Media-Saturn vor dreieinhalb Jahren übernommen hatte. Zum Online-Portfolio zählt zudem das Live-Shopping-Portal iBood.com, an dem die Gruppe seit einem Jahr die Mehrheit hält. Dazu kommt das Geschäft von neuen Pureplayern wie dem Weiße-Ware-Shop Biwigo.de, die in der neu gestarteten EOG-Einheit aufgebaut werden.

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