Neue Strategie: Delticom will an Preisportalen verdienen

Bislang hatte sich der Multishop-Konzern Delticom darauf konzentriert, Reifen im Internet zu verkaufen. Diese Strategie verfolgen die Hannoveraner zwar weiter, wie 163 Online-Shops in 42 Ländern belegen. Nun setzt der Konzern bei seinem Geschäftsmodell aber bereits eine Stufe früher an. Denn Delticom will nicht mehr nur an Kunden verdienen, die Reifen online kaufen.

Reifen.de PreisvergleichReifen.de bietet Verbrauchern einen Online-Preisvergleich (Bild: Screenshot)

Profitieren will der ECommerce-Konzern nun auch von Kunden, die sich im Internet zunächst über Preise informieren möchten. Aus diesem Grund betreibt Delticom ab sofort unter der Internet-Adresse Reifen.de ein neues Online-Portal, auf dem Verbraucher unter anderem die Preise für Reifen aus verschiedenen Online-Shops vergleichen können. Für österreichische Kunden gibt es mit dem Online-Portal reifen.at eine separate Version, internationale Kunden will der Konzern über das englischsprachige Online-Preisportal Tyres.net bedienen.

Finanziert wird das Preisportal über die branchenüblichen Klickpreise. Für Verbraucher ist der Service daher wie gewohnt kostenlos. Händler müssen dagegen immer eine Pauschale zahlen, sobald Kunden auf ihr Angebot im Preisvergleich klicken und im Anschluss ihren Online-Shop aufsuchen. Zur Höhe der Klickgebühren macht man auch auf Nachfrage keine Angaben.

Delticom steigt nun ins Preisportal-Marketing ein, weil Kunden sich vor dem Online-Einkauf gezielt informieren und Preise vergleichen möchten. Vor diesem Hintergrund liegt es auf der Hand, von einem vorhandenen Kundenbedürfnis profitieren zu wollen. Auf der anderen Seite kann sich aber jeder Online-Reifenhändler bei Delticom listen lassen, so dass der Konzern auch seinen Konkurrenten eine Plattform bietet. Aktuell sind zum Beispiel neben den Delticom-Shops Reifendirekt.de und Tirendo auch direkte Konkurrenten wie ATU und Pitstop vertreten.

Reifen.de listet Online-Angebote von Delticom-Shops und Konkurrenten

Durch das Preisportal kann der Konzern zwar an Klickgebühren verdienen, wenn sich Kunden für die Angebote der Konkurrenz interessieren. Im dümmsten Fall lassen Verbraucher dann aber auch ihr Geld bei den Wettbewerbern liegen. Gegenüber neuhandeln.de schätzt der Konzern diese Gefahr aber eher gering ein, da man in den eigenen Onlineshops das ganze Jahr über attraktive Preise biete und deshalb zumeist zu den günstigsten Anbietern gehöre.

Für die Delticom-Strategie spricht zudem: Wenn der Konzern nicht selbst das Geschäft mit den Preisvergleichern macht, stehen ebenfalls Konkurrenten in den Startlöchern. Frei nach dem Motto „Kannibalisiere dich selbst, bevor es andere tun“ ist die Vorgehensweise also ebenfalls nachvollziehbar. Der Online-Reifenhandel ist allerdings ein sehr preissensibles Geschäft.

Delticom Bilanz 2014Delticom-Zahlen 2014: Weniger Umsatz, weniger Ertrag (Bildquelle: Screenshot)

So hatte Delticom besipielsweise im vergangenen Geschäftjahr zwar mehr Reifen verkaufen können als zuvor. Der Umsatz war dennoch hauchdünn geschmolzen, weil man das Geschäft mit attraktiven Preisen angekurbelt hatte. Mit seinem neuen Preisportal dürfte Delticom daher zwar die Bedürfnisse der Kunden befriedigen. Gleichzeitig dürfte Delticom aber weiteres Öl ins Feuer gießen und mit dafür sorgen, dass Kunden auch in Zukunft beim Online-Reifenkauf vor allem auf günstige Preise achten. Insofern könnte man sich langfristig selbst schaden, indem man preissensible Kunden heranzüchtet – auch wenn den Verantwortlichen wahrscheinlich keine andere Wahl bleibt, um das Preisportal-Geschäft nicht dem Wettbewerb zu überlassen.

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Die Website Reifen.de gehört Delticom schon länger, bislang gab es darauf aber nur Infos zu Reifen und keinen Preisvergleich. Erste Erfahrungen im Preisvergleichs-Marketing konnte der Konzern im vierten Quartal des vergangenen Jahres sammeln, als man das Preisportal Toroleo aufgekauft hatte. Besucher verweist die Website Toroleo.de inzwischen aber auf Reifen.de.

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1 Kommentar zu Neue Strategie: Delticom will an Preisportalen verdienen

  1. Ja, scheint riskant.
    Frag mich: Was werden wohl die Hersteller (Conti, Michelin & Co.) davon halten?
    Denn damit sollten deren Preisspielräume weiter sinken.
    Werden sie reagieren – und was werden die stationären Händler tun, denn die müssen bzw. dürfen die immer billigeren Reifen ja montieren?

    P.S.: Irgendwie bedenklich, dass ein so wichtiges Produkt, das auch einen enorem Einfluss auf die Sicherheit im Straßenverkehr hat, immer mehr über den Preis verkauft wird.

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