Nach starkem Vorjahr: Zalando will erneut zweistellig zulegen

Auf neuhandeln.de hatte ich bereits im Januar berichtet, dass Zalando nach vorläufigen Zahlen einen Netto-Umsatz von rund 2,96 Mrd. Euro im vergangenen Geschäftsjahr 2015 erzielen konnte. Nun liegt auch der Jahresabschluss mit den endgültigen Zahlen vor, die jetzt die vorläufigen Werte bestätigen. Demnach konnte Zalando im vergangenen Geschäftsjahr seinen Netto-Umsatz um 33,6 Prozent auf 2,958 Mrd. Euro steigern (siehe Tabelle unten), womit die Berliner ihre ursprüngliche Prognose von einem Wachstum zwischen 20 und 25 Prozent auf rund 2,7 Mrd. Euro spürbar übertreffen konnten.

Zalando Kennzahlen
Die aktuellen Kennzahlen von Zalando im Überblick (Grafik: Zalando SE)

Wachsen konnte Zalando aus verschiedenen Gründen. Zum einen hat sich zum 31.12.2015 die Zahl der aktiven Kunden (mind. eine Bestellung in den vergangenen zwölf Monaten) im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Mio. auf nunmehr 17,9 Mio. Verbraucher erhöht. Im vergangenen Geschäftsjahr ist zudem die Zahl der Bestellungen von 41,4 Mio. auf 55,3 Mio. angestiegen, die durchschnittliche Anzahl von Bestellungen der aktiven Kunden hat sich von 2,8 Bestellungen auf 3,1 Bestellungen erhöht.

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. So hat Zalando im vergangenen Jahr viel in seinen Kunden-Service investiert und sein Angebot ausgebaut, was das Wachstum befeuert habe. Zur Erinnerung: Einerseits wurde das Sortiment um zusätzliche Mode-Marken wie Gap erweitert, die den Online-Shop für Kunden attraktiver machen. Dazu wurde das Einkaufserlebnis verbessert, indem Kunden in Holland, UK und Frankreich ihre Pakete nun meist schon nach drei Tagen erhalten, während die Lieferzeit zuvor vier bis sechs Tage betragen hatte. Zusätzlich beinhalten nun auch die Pakete für ausländische Kunden von vornherein einen Retourenschein, um Rücksendungen zu vereinfachen.

In Deutschland hatte Zalando unter anderem seinen Curated-Shopping-Dienst Zalon gestartet, bei dem sich Kunden von Stylisten beraten lassen können. In ersten Testregionen erhalten Kunden ihre Pakete in Deutschland jetzt zudem bereits am Tag der Bestellung, ohne dass Zalando seinen Kunden für Same-Day-Delivery überhaupt eine Zusatzgebühr berechnet. Profitieren konnte Zalando prinzipiell auch von einer stark gestiegenen Nachfrage jüngerer Kundengruppen, was die Berliner wiederum mit einer größeren Auswahl an preisgünstigen Marken begründen. Der Bekanntheitsgrad von Zalando steige zudem, weil auch immer mehr angesagte Marken wie Topshop online angeboten werden.

Künftige Wachstumstreiber: Marktplatz- und Plattform-Strategie

Verbessert hat sich neben dem Umsatz auch das Ergebnis. So konnte der Konzern im vergangenen Jahr ein EBIT von 89,6 Mio. Euro erzielen, nachdem der Vergleichswert im Vorjahr erst bei 62,1 Mio. Euro lag (siehe Tabelle). Als Grund nennt man “Effizienzsteigerungen in einigen Kostenpositionen”.

Nach eigenen Angaben hat sich die Bruttogewinnmarge von 43,3 Prozent auf 45,1 Prozent verbessert, weil Zalando im Vergleich zum Vorjahr geringere Preisnachlässe gewähren musste. Zum einen habe ein starker Winter zu einer hohen Nachfrage nach entsprechender Bekleidung zu Beginn des Jahres geführt. Zum anderen habe Zalando in seinen Logistikzentren inzwischen genug Platz für die Ware für Frühjahr-/Sommer, ohne vorher die Wintermode verkaufen zu müssen. Bessere Einkaufskonditionen bei Lieferanten haben sich laut Zalando ebenfalls positiv auf die Bruttogewinnmarge ausgewirkt.

Das Ergebnis hätte sogar besser ausfallen können. Doch die Fulfillment-Kosten sind gestiegen, weil Zalando zum einen bei seinem Same-Day-Pilotprojekt kostenlos Pakete bereits am Tag der Bestellung ausliefert. Dazu haben “betrügerische Handlungen” die Vertriebskosten erhöht. Hier wirkt noch die Betrugswelle aus dem zweiten Quartal 2015 nach, als bei Zalando vermehrt auf Rechnung bestellt wurde und diese Forderungen nicht bezahlt wurden. Im Vorfeld hatte man die Anforderungen beim Kauf auf Rechnung gelockert, damit mehr Neukunden ihre Ware erst im Nachhinein bezahlen können. Parallel kam es dann aber zu einer Betrugswelle, die Zalando zu spät erkannt hatte.

 


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w&co Produktfotografie

 

Für das laufende Jahr plant Zalando erneut ein Umsatzwachstum von 20 bis 25 Prozent. Viel Potenzial für die Zukunft sieht Zalando nicht zuletzt deshalb, da Analysen zufolge erst rund zehn Prozent der Verbraucherausgaben für Mode in Europa (ausgenommen Russland) online getätigt werden. Durch weitere Investitionen in Marketing will Zalando daher dafür sorgen, dass auch künftig immer wieder neue Kunden bei Zalando online bestellen anstatt Mode im stationären Handel zu kaufen. Um Kunden zu gewinnen, dürfte der Fashion-Versender sein Angebot an Fremd- und Eigenmarken weiter ausbauen.

Das Geschäft befeuern soll dabei unter anderem die neue Plattform-Strategie der Berliner, mit der Zalando unter anderem verstärkt Marken und Händler als Partner gewinnen will. Bereits heute können Marken ihre Ware bei Zalando in einem eigenen Partner-Shop präsentieren und selbst entscheiden, welche Produkte sie dort einbinden (Beispiel: GAP). Neben der Ware, die von Zalando eingekauft, gelagert und versendet wird, stammen schon heute Produkte direkt aus den Logistikzentren der Markenpartner. In Zukunft will Zalando solche „Marktplatz“-Modelle ausbauen, bei denen Marken direkt über die Zalando-Plattform verkaufen können und dabei ihr eigenes Warenbestandsrisiko tragen.

Angedacht ist zudem eine Kooperation mit dem stationären Einzelhandel. Funktionieren soll das so: Ein Kunde kontaktiert den Service von Zalando, weil ihm auf der Facebook-Fanpage eines Promis eine hübsche Tasche aufgefallen war. Der Mitarbeiter sieht daraufhin nach, ob Zalando die entsprechende Tasche aktuell im Sortiment führt. Wenn der Artikel dann zum Beispiel im Online-Shop ausverkauft sein sollte, will Zalando dem Kunden alternativ Einzelhändler nennen, wo man die Tasche kaufen kann.

Zalando Vorstand
Zalando-Vorstand Rubin Ritter, David Schneider, Robert Gentz (vlnr; Bild: Zalando)

Empfehlen könnte Zalando dann unter anderem die Geschäfte von solchen Einzelhändlern, die sich in der Nähe des Interessenten befinden und schnell erreichbar sind. Wenn der Kunde die Ware bereits sofort braucht, will Zalando das gewünschte Produkt sogar über einen Expresskurier in wenigen Minuten zum Verbraucher nach Hause liefern lassen. Über so ein Modell könnte Zalando auch dann von Mode-Käufen profitieren, wenn das eigene Online-Sortiment das gewünschte Produkt nicht hergibt.

Vor diesem Hintergrund klingen die aktuellen Aussagen vom Zalando-Management fast schon wie eine Kampfansage an andere Fashion-Versender. “Unsere Teams sollen sich nicht auf unsere Quartalszahlen konzentrieren, sondern diejenigen Projekte voranbringen, die uns in den kommenden Jahrzehnten erfolgreich machen werden”, heißt es etwa im aktuellen Geschäftsbericht (PDF-Download).

Zalando-Umsatz nach Segmenten
Verteilung der Zalando-Umsätze nach Regionen (Grafik: Zalando SE)

Zalando betreibt Online-Shops für Kunden in 15 europäischen Ländern. In der DACH-Region wurde im Geschäftsjahr 2015 mehr als die Hälfte des gesamten Jahresumsatzes erzielt (siehe Grafik), wo der Umsatz um 28,0 Prozent von zuvor 1,23 Mrd. Euro auf 1,58 Mrd. Euro gestiegen ist. Mit den Online-Shops im weiteren europäischen Ausland wurden 1,21 Mrd. Euro umgesetzt (Vorjahr: 862,6 Mio. Euro), was ein Plus von 40,5 Prozent ist. Weitere Einnahmen wurden unter anderem durch den Shopping-Club Zalando-Lounge erzielt, dessen Geschäft in dem dritten Segment “Sonstige” enthalten ist.

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