Nach „Otto Now“: Auch Media-Markt vermietet Elektronik-Gadgets

„Miet mich“: Unter diesem Motto testet die Media-Saturn-Gruppe nun ein neues Geschäftsmodell. So können Verbraucher bei der Händlermarke Media Markt im Rahmen der so genannten „Mietwochen“ ab sofort erstmals ausgewählte Produkte für einen begrenzten Zeitraum mieten, die Verbraucher bislang bei Interesse direkt kaufen mussten. Im Online-Shop sind rund 500 Produkte im Angebot – darunter Notebooks, Smartphones und Spielekonsolen, die Verbraucher nun ausleihen können.

Lennart Wehrmeier
Lennart Wehrmeier (Foto: Martin Hangen)

Mit dem neuen Miet-Service will die Media-Saturn-Gruppe sich neue Zielgruppen erschließen. So beobachtet das Multichannel-Unternehmen, dass sich Einkaufsgewohnheiten zunehmend verändern.

„Konsumenten wollen mehr Flexibilität“, argumentiert Lennart Wehrmeier (siehe Foto), der als Chief Operating Officer (COO) von Media-Saturn Deutschland verantwortlich für den Vertrieb von Media Markt ist.

Ansprechen soll der neue Miet-Service unter anderem Konsumenten, die gerne neue Gadgets ausprobieren oder Geräte nur kurz brauchen.

Vor diesem Hintergrund hat erst der Otto-Versand vor wenigen Wochen sein Online-Portal „Otto Now“ gestartet, auf dem Verbraucher ebenfalls Technik-Produkte mieten statt kaufen können. Zum Start waren aber nur 80 Produkte verfügbar, so dass Media-Saturn zu Beginn mehr Auswahl bietet. Auch die Konditionen sind für Verbraucher bei Media-Markt angenehmer – zumindest auf den ersten Blick.

So beträgt die Mindestlaufzeit bei Media-Saturn nur einen Monat, während man bei Otto ein Produkt mindestens drei Monate buchen muss. Für ein Smartphone wie das Samsung Galaxy S7 müssen Kunden bei einem Mietpreis von 29,99 Euro pro Monat also gleich knapp 100 Euro berappen, wenn sie das Gerät mit einem regulären Kaufpreis von rund 500 Euro nur einmal testen möchten.

Miet-Strategie von „Otto Now“ wirkt sinnvoller

Doch ob Kunden von Media-Markt von einer kürzeren Mietzeit wirklich mehr haben? Zwar kann man hier das Samsung Galaxsy S7 für nur einen einzigen Monat ausleihen. Dann aber beträgt der Mietpreis gleich 59,90 Euro im Monat – und ist damit doppelt so hoch wie die Monatspauschale von Otto.

Verbesserungswürdig wirkt neben dem Pricing bei Media-Markt auch die Vermarktung. So fehlt auf der Startseite des Online-Shops ein Hinweis auf den neuen Miet-Service. Welche Produkte die Kunden leihen können, erfahren Verbraucher dagegen auf den jeweiligen Produktdetailseiten. Hier gibt es dann neben dem regulären Kauf-Button einen Hinweis, dass Interessenten den Artikel auch mieten können.

Im direkten Vergleich wirkt die Otto-Strategie sinnvoller, das Miet-Angebot mit einer eigenen Website zu vermarkten. So wird nicht nur auf den ersten Blick klar, was der neue Miet-Service beinhaltet. Otto dürfte auch nicht sein vorhandenes Geschäft kannibalisieren. Denn im Online-Shop von Media-Markt könnten nun auch Kunden einen Kauf verwerfen – und stattdessen lieber ein Gerät mieten.

Swiss Connect

Weiterer Unterschied: Media-Saturn vermietet nach eigenen Angaben ausschließlich neue Geräte. Bei Otto läuft das dagegen anders. Sobald hier erste Kunden ihre Ware wieder zurückgeben, startet die Zweitverwertung. In diesem Fall werden die Produkte zwar gereinigt und geprüft. Ein neues Gerät gibt es dann aber nicht – obwohl der Kunde in meinem Beispiel knapp 100 Euro auf den Tisch legt.

Bei Media-Markt gilt dagegen: Wenn der Kunde sein Produkt nicht mehr haben möchte, schickt er es an den Kooperationspartner Grover zurück, der den Mietservice für die Media-Saturn-Gruppe abwickelt. Dort werden die Geräte ebenfalls aufbereitet. Danach bietet Grover die Produkte dann aber nur noch über seine eigene Online-Plattform zur weiteren Vermietung an. Umgekehrt ist aber auch möglich, dass Kunden ihr Miet-Produkt von Grover abkaufen können. Das bietet Otto bislang gar nicht an.

Dafür haben die Hanseaten weiße Ware wie Waschmaschinen im Portfolio, was man bei Media-Markt vergeblich sucht. In die Quere kommen sich beide Anbieter daher letztlich nur bedingt. Wobei sich erst zeigen muss, ob in der Praxis ein Bedarf für solche Angebote besteht. Bei Mietpreisen von mindestens 60 bis 100 Euro in meinem Smartphone-Beispiel wirken jedenfalls beide Services mäßig attraktiv.

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