Marktplätze: Hood mausert sich zur Amazon-Alternative

Wenn Versandhändler über Online-Marktplätze verkaufen, fällt die Wahl in der Regel auf die Platzhirsche Amazon und eBay. Doch auch abseits dieser Dickschiffe kann sich der Verkauf eventuell lohnen. So steigt zum Beispiel auf dem Online-Marktplatz Hitmeister derzeit das Handelsvolumen spürbar. Und auch die Verkaufsplattform Hood wächst gerade stark.

Hood.deAuf Hood.de verkaufen derzeit 8.000 gewerbliche Händler (Bild: Screenshot)

Der Online-Marktplatz wurde von Geschäftsführer Ryan Hood im Jahr 2000 gestartet, der in diesem Jahr das 15-jährige Firmenjubiläum feiern kann. Passend dazu gab es im vergangenen Jahr ein zweistelliges Wachstum von 17 Prozent, das Marktplatzvolumen – also der Wert der über die Plattform gehandelten Ware der Verkäufer – hat mit 39 Mio. Euro brutto (inkl. MwSt.) dabei eine neue Bestmarke erreicht, seit 2005 arbeitet der Online-Marktplatz profitabel.

Trotz der guten Entwicklung gilt aber: Im Vergleich zu den deutschen Umsätzen von Amazon ist das Geschäft von Hood.de weiter überschaubar. Denn laut einer Schätzung vom Institut für Handelsforschung (IFH) hatte Amazon im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,1 Mrd. Euro netto (exkl. MwSt.) allein mit eigenen Verkäufen erzielt. Wenn man hier noch die Verkäufe der Marktplatz-Partner addiert, kommt das IFH auf 13,4 Mrd. Euro Handelsvolumen (netto).

Auch ein Vergleich mit eBay zeigt, wie abgeschlagen Hood.de hinter den Branchenführern agiert. So zählt eBay nach eigenen Angaben derzeit 17 Mio. aktive Kunden und 175.000 gewerbliche Händler, die aktuell 70 Mio. Artikel in 50.000 Produktkategorien anbieten.

Ryan HoodHood dagegen kommt aktuell auf rund zwei Mio. aktive Kunden und etwa 8.000 gewerbliche Händler. Trotz diesem Klassenunterschied verkaufen immer wieder Händler zusätzlich auf Hood.de, obwohl sie mit ihren Angeboten bereits bei Amazon und eBay vertreten sind. Denn im direkten Vergleich zu den Platzhirschen bietet Hood.de für Partner attraktive Konditionen. “Viele Händler bieten Artikel bei uns günstiger an und verdienen unterm Strich pro verkauftem Artikel dennoch mehr“, weiß Geschäftsführer Ryan Hood (siehe Foto).

Tatsächlich liegen die Verkaufsprovisionen bei Hood.de zwischen einem und sechs Prozent, auf Einstellgebühren verzichtet man komplett. eBay dagegen berechnet gewerblichen Verkäufern eine Einstellgebühr, die Provisionen betragen zudem bis zu zehn Prozent. Bei Amazon kostet die Einstellgebühr 99 Cent pro Artikel, wenn Händler gelegentlich Produkte anbieten. Die Provision beträgt je nach Kategorie zwischen sieben und 45 Prozent (siehe Übersicht).

Dazu kommt: Während sich bei eBay beispielsweise die Provision auf den Gesamtpreis bezieht und Verkäufer daher auch für die Versandkosten zur Kasse gebeten werden, berechnet Hood seine Verkaufsprovisionen dagegen ausschließlich im Hinblick auf den reinen Warenwert.

Kurios: Amazon-Boom könnte Hood.de sogar in die Karten spielen

Hood kann mit geringeren Gebühren leben, weil man im Vergleich zu anderen Marktplätzen eine deutlich geringere Kostenstruktur habe. Diesen Vorteil gibt man an die Partner weiter, die damit wiederum bei Endverbrauchern punkten sollen. “Als Faustregel empfehlen wir unseren Händlern, die eingesparte Provision zu 50 Prozent an ihre Kunden weiterzugeben“, verdeutlicht Portal-Betreiber Hood – der übrigens nicht nur mit günstigen Konditionen punkten will.

Häufig wird uns von Händlern berichtet, dass bei den großen Marktplätzen ihre Konten ohne Ankündigung plötzlich tage- oder wochenlang gesperrt werden“, berichtet er. Viele seiner Händler verkaufen demnach auch bei Hood.de, damit sie nicht von einem Marktplatz abhängig sind.

Und vielleicht liegt gerade hier eine große Chance für Hood. Denn ursprünglich war das Portal als Online-Auktionshaus gestartet, das Nutzern eine Alternative zu eBay bieten sollte. Heute jedoch werden bereits 85 Prozent des Handelsvolumens auf dem Online-Portal über Artikel von gewerblichen Verkäufern generiert. Damit entwickelt sich auch das kleine Hood wie das große eBay, auf dem inzwischen 79 Prozent der Verkäufe über Neuware erwirtschaftet werden – während parallel die Verkäufe durch Privatpersonen ebenfalls unbedeutender werden.

Die Kunden erwarten zunehmend eine sofortige Verfügbarkeit der Ware“, bemerkt auch Hood. Und Ware schnell liefern würden eben vor allem gewerblichen Verkäufer, nicht Privatpersonen.

Wer also als Versandhändler eine Alternative zu Amazon sucht, kann durchaus über Hood.de nachdenken. Zwar wandelt sich Amazon momentan zum kommerziellen Betriebssystem des deutschen E-Commerce und wird für immer mehr Versender zum Dreh- und Angelpunkt ihrer E-Commerce-Strategie. Doch je größer Amazon wird, umso abhängiger sind die Partner. Aus diesem Grund suchen manche Versender erst Recht nach einem weiteren Standbein, um die Abhängigkeit von Amazon zu minimieren – auch wenn es sie zunächst Reichweite kostet.

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