Kein Mehrwert, kein Profil: Woran der neue Redcoon-Shop krankt

Nachdem der Online-Shop Redcoon.de in den vergangenen Tagen wegen einem Software-Update nicht erreichbar war, können Verbraucher nun wieder bei der MediaSaturn-Tochter bestellen. Punkten soll der Online-Shop durch den Relaunch vor allem mit zwei Maßnahmen. So will die MediaMarktSaturn-Gruppe zum einen bei Kunden mit einem größeren Angebot punkten, zum anderen soll der neue Shop eine bessere Usability bieten. Ansprechen soll Redcoon dadurch Kunden, die beim Elektronik-Kauf „reine Online-Marken“ bevorzugen. Doch das dürfte in der aktuellen Form wohl schwer werden.

Redcoon.de Online-Shop
Der neue Online-Shop (Bild: Screenshot)

Handfeste Kundenvorteile bieten die Neuerungen jedenfalls kaum. Zwar soll sich das Sortiment im Redcoon-Shop perspektivisch auf rund 50.000 Artikel verdoppeln, nachdem dort online aktuell rund 25.000 Artikel angeboten werden. Mit einer großen Auswahl punkten kann Redcoon dennoch kaum.

Zum Vergleich: Aktuell gibt es im deutschen Online-Shop von Media-Markt bereits rund 275.000 Produkte, bei dem Online-Angebot Saturn.de wiederum sind es sogar schon 300.000 Artikel. Die beiden Multichannel-Vertriebsmarken übertreffen damit das Angebot von Redcoon aus Sortiments-Gesichtspunkten schon einmal deutlich.

Auch eine bessere Usability ist kein Wettbewerbsvorteil. So bietet der neue Redcoon-Shop laut dem Konzern zwar „eine deutlich verbesserte Nutzerführung auf PCs, Tablets und Smartphones“. Das sollte aber selbstverständlich sein. Denn Shops ohne eine Mobile-Optimierung sind kaum zukunftsfähig.

Bleibt als letzter Trumpf die Marke. So soll Redcoon weiter solche Kunden erreichen, die online nichts von Media Markt oder Saturn wissen wollen. „Es gibt Kunden, die reine Online-Marken bevorzugen“, heißt es gegenüber neuhandeln.de. „An diese Kunden richten wir uns mit Redcoon.de.“

Doch damit Kunden kaufen, braucht man Alleinstellungsmerkmale und eine klare Positionierung. Durch das Sortiment und die Usability wird das aber nicht erreicht. Bleibt als Köder also nur: der Preis.


 

Tatsächlich stand Redcoon in der Vergangenheit vor allem für günstige Preise – ein Image, das unter anderem durch TV-Spots befeuert wurde (Motto: „So viel Billig gabs noch nie!“). Im aktuellen Online-Shop sucht man so eine preisaggressive Positionierung aber momentan vergeblich. So fehlt zum Beispiel im Logo nicht nur die kleine Pepperoni, die früher „scharfe Angebote“ symbolisierte.

Erschwerend kommt hinzu: Mit günstigen Preisen punkten kann Redcoon zudem ohnehin nur noch bedingt, da es erst im vergangenen Herbst einen Strategie-Wechsel gab und der Online-Händler seitdem nicht mehr preisgünstig Ware auf dem Graumarkt beschafft. Beim Pricing orientieren sich die Vertriebslinien Media Markt und Saturn obendrein an den Angeboten der Online-Konkurrenten.

Das führt dazu, dass es die „Top-Angebote“ im Redcoon-Shop zu gleichen oder ähnlichen Preisen auch bei Media Markt und Saturn gibt – wie Stichproben zeigen. Warum also sollte der Kunde bei Redcoon kaufen, wenn das Angebot austauschbar ist und es woanders von vornherein mehr Auswahl gibt?

Vielleicht will der Konzern aber mit Redcoon.de auch nicht mehr viel erreichen und nur noch das bestehende Potenzial abschöpfen. In den vergangenen Jahren waren jedenfalls nicht nur die Umsätze deutlich gesunken (siehe Tabelle). Nach Medienberichten der lokalen Fachpresse sollen auch 70 von rund 150 Beschäftigten bei Redcoon am Standort Aschaffenburg gehen, wo Marketing und Vertrieb angesiedelt sind. Hintergrund ist, dass durch die neue Shop-Software einzelne Produkte für Redcoon nicht mehr separat angelegt werden müssen und aus der Datenbank für die anderen Vertriebslinien gezogen werden. Kern-Prozesse für identische Produkte müssen so nicht mehr doppelt erfolgen.

Im Konzern dürfte Redcoon auf lange Sicht dennoch nur noch eine Nebenrolle spielen. Denn erst im Herbst 2016 hatte die Gruppe fünf der acht Länder-Shops von Redcoon auf einmal beerdigt.

Redcoon Umsatz
Quelle: Eigene Angaben in Mio. Euro. Geschäftsjahr endet jeweils am 30. September

Der Hintergrund: Beim Elektronik-Geschäft hat sich heraus kristallisiert, dass die Multichannel-Angebote der Vertriebslinien Media Markt und Saturn „das ideale Modell“ für den Handelskonzern sind – und eben kein reines Online-only-Konzept, wie es Redcoon verfolgt. Das war aber für die Gruppe längst noch nicht klar, als Redcoon im März 2011 vom Handelskonzern übernommen worden war. Denn damals gab es schlichtweg noch keine konkurrierenden Multichannel-Angebote in der Gruppe, da die deutschen Online-Shops Saturn.de und MediaMarkt.de erst nach der Redcoon-Übernahme gestartet sind.

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