Home24: Weshalb sich das Wachstum gerade verringert

Der Online-Möbelhändler Home24 hat in den ersten neun Monaten diesen Jahres einen Netto-Umsatz von 172,3 Mio. Euro eingefahren. Das geht aus den Neunmonatszahlen des Berliner Company-Builders Rocket Internet hervor, zu dessen Portfolio der Online-Möbelshop zählt. Im Vergleich zur Vorjahresperiode gab es damit ein Wachstum von 63,4 Prozent, das wie gewohnt stark ausfällt. Wenn man die einzelnen Quartale von Home24 für sich betrachtet, hat sich das Wachstum im bisherigen Jahresverlauf aber von Quartal zu Quartal deutlich abgeschwächt.

Home24 KennzahlenDie aktuellen Quartalszahlen von Home24 im Überblick (Bild: eigene Grafik)

Zahlen zu den einzelnen Quartalen werden zwar nicht ausgewiesen. Den Umsatz für das dritte Quartal kann man aber errechnen, indem man von den Umsatz in Höhe von 172,3 Mio. Euro aus den ersten neun Monaten den Umsatz aus dem ersten Halbjahr von 117,6 Mio. Euro abzieht, was einen Wert von 54,7 Mio. Euro ergibt (siehe Grafik). Den Umsatz für das zweite Quartal in Höhe von 57,6 Mio. Euro erhält man, wenn man von dem Halbjahresumsatz von 117,6 Mio. Euro den publizierten Umsatz von 60 Mio. Euro der ersten drei Monaten abzieht.

Dabei fällt auf: Im dritten Quartal 2015 fällt der Umsatz mit 54,7 Mio. Euro geringer aus als im zweiten Quartal 2015, wo Home24 noch auf 57,6 Mio. Euro kam. Im Vorjahr dagegen hatten sich die Umsätze des Online-Möbelhändlers noch von Quartal zu Quartal deutlich erhöht.

Im aktuellen Finanzbericht nennt Home24 als Hintergründe, dass es beim Online-Geschäft in Lateinamerika – wo der Spezialversender unter der Zweitmarke Mobly einen Online-Shop für Kunden in Brasilien betreibt – eine verhaltene Konsumstimmung gegeben habe und zudem der Gesamtumsatz der Gruppe durch ungünstige Wechselkurseffekte geschmälert wurde.

„Deutliche Professionalisierung“: Home24 baut auch Arbeitsplätze ab

Die Quartalszahlen liefern aber noch weitere interessante Erkenntnisse: Im Vergleich zum Vorjahr gab es im ersten Quartal ein Plus von 128 Prozent, im zweiten Quartal nur einen Zuwachs von rund 72 Prozent und im dritten Quartal lediglich ein Plus von 19 Prozent.

Auf Nachfrage von neuhandeln.de argumentiert Home24, dass man im dritten Quartal 2015 einen „stärkeren Fokus auf Profitabilität“ gelegt habe. Kurioserweise ist davon aber zunächst nichts zu sehen, wenn man einmal die Ergebnisse der einzelnen Quartale genau betrachtet.

Home24 KennzahlenEntwicklung des EBITDA vor anteilsbasierter Vergütung (Bild: eigene Grafik)

So fällt der Verlust (EBITDA vor anteilsbasierter Vergütung) im dritten Quartal 2015 mit -18,9 Mio. Euro höher aus als im zweiten Quartal 2015 (-17,3 Mio. Euro). Die EBITDA-Marge hat sich zudem von -30,0 Prozent (Q2/2015) auf -34,6 Prozent (Q3/2015) verschlechtert. Home24 nennt auf Nachfrage als Begründung, dass man im dritten Quartal 2015 noch „Nachlaufeffekte“ sehe. Der Fokus auf die Profitabilität soll sich daher in den folgenden Quartalen bemerkbar machen.

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Hier dürfte sich in den Zahlen dann auch niederschlagen, dass Arbeitsplätze abgebaut werden.

Denn jetzt werden insgesamt 35 von rund 1.200 Mitarbeitern entlassen. Hintergrund ist, dass man eine Reorganisation in ausgewählten Bereichen durchgeführt habe. Demnach werden Arbeitsplätze beim Einkauf und der Marketingabteilung abgebaut, weil man diese Bereiche im vergangenen Jahr „deutlich professionalisieren“ konnte und den Fokus auf Eigenmarken lege.

Auch wenn sich das Wachstum im bisherigen Jahresverlauf spürbar abgeschwächt hat, konnte Home24 unterm Strich seinen Umsatz aber dennoch deutlich steigern. Als Gründe nennt der Möbelhändler gegenüber neuhandeln.de, dass man das Produktangebot weiter verbessern konnte und die Lagerkapazitäten ausgebaut und so auch die Lieferzeiten verkürzt wurden.

Home24 KennzahlenDie aktuellen Kennzahlen der ersten neun Monate 2015 (Tabelle: Rocket Internet)

In den ersten neun Monaten hat sich aber auch die Marge bei Home24 verschlechtert, die von 37,4 Prozent auf 37,0 Prozent gesunken ist. Das bereinigte EBITDA fällt dazu mit -56,2 Mio. Euro mehr als doppelt so schlecht aus wie in dem Vorjahreszeitraum (9M/2014: -27,2 Mio. Euro) – während der Netto-Umsatz parallel ja „nur“ um 63,4 Prozent gestiegen ist. Als Gründe für das schlechtere Ergebnis nennt Home24, dass ein neues Lager in Betrieb genommen wurde und man mehr in Eigenmarken investiert hatte. Dazu wurde mit der Übernahme des auf Designer-Möbel spezialisierten Shops Fashion For Home vor kurzem ein Zukauf getätigt.

Neben dem brasilianischen Shop unter der Zweitmarke Mobly betreibt Home24 derzeit weitere sieben Sprachversionen des Online-Shops mit der Kernmarke „Home24“ für Kunden in Europa.

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