Logistik: Wann es sich lohnt, einen Fulfillment-Partner zu beauftragen

Amazon eröffnet allein in diesem Jahr drei zusätzliche Logistikzentren in Deutschland. Dadurch will Amazon aber nicht einfach nur mehr Produkte für seine Kunden bevorraten. Der US-Konzern investiert auch in neue Versandzentren, um mehr Händlern seinen Service „Fulfillment by Amazon“ anzubieten, bei dem Amazon die Produkte von Drittanbietern bei sich lagert und an Kunden verschickt.

Diese Entwicklung wundert Insider nicht. Denn immer mehr Online-Händler vertrauen auf spezialisierte Fulfillment-Partner, um ihre Logistik auszulagern. Warum das so ist, berichtet Vertriebsleiter Volker Witt von Logistik-Dienstleister Heinrich Dehn, der neuhandeln.de auch als Sponsor unterstützt.

neuhandeln.de: Zufall oder Plan – woher kommt der Trend zum Fulfillment-Outsourcing?

Volker Witt
Volker Witt (Bild: Heinrich Dehn)

Volker Witt: „Generell kann man momentan zwei Entwicklungen beobachten. Zum einen beauftragen tatsächlich immer mehr Online-Händler derzeit Amazon damit, die Logistik für sie beim Online-Handel abzuwickeln. Auf der anderen wenden sich zur Zeit aber auch immer mehr Versender an spezialisierte Fulfillment-Dienstleister, die im Gegensatz zu Amazon nicht selbst als Händler aktiv sind – und damit auch kein Konkurrent.“

neuhandeln.de: Aber warum kommt das Outsoucring momentan so stark in Mode? Fulfillment-Dienstleister gibt es nun ja nicht erst seit gestern.

Witt: „Der Grund ist relativ einfach. Denn immer mehr Online-Händler erkennen derzeit schlichtweg, dass Lagern und Kommissionieren nicht ihre Kernkompetenz ist und ihre Stärken zum Beispiel vielmehr beim Online-Marketing, der Sortimentsauswahl oder der Kundenansprache liegen. Manche Händler erreichen zudem irgendwann eine Größenordnung, wo man über weitere Investments in Fläche, Equipment und Personal nachdenken muss – wenn man weiter die Logistik selbst abwickeln will.“

neuhandeln.de: Und Investitionen in eine eigene Logistik kommen dann nicht in Frage?

Witt: „Ein pauschales Urteil lässt sich hier nicht fällen, da die Situation bei jedem Händler naturgemäß anders ausfällt. Was man aber schon sagen kann: Wer seine Logistik nach außen gibt, spart sich fixe Kosten für Lager, Personal und IT. Zwar gibt es Logistik-Leistungen von Dritten auch nicht umsonst. In der Regel wird aber transaktionsbasiert abgerechnet. Vereinfacht gesagt: Kosten entstehen in diesem Fall erst dann, wenn ein Paket verschickt wird. Für viele Händler ist das ein wichtiges Kriterium.“

neuhandeln.de: Wer Dienstleister beauftragt, verliert aber auch ein Stück weit die Kontrolle.

Witt: „In der Tat kümmern sich die eigenen Mitarbeiter um das Fulfillment, wenn man die Logistik selbst betreibt. Das muss aber nicht immer nur ein Vorteil sein. Denn beim eigenen Fulfillment liegt schließlich ja auch die komplette Personalverantwortung in den Händen des Händlers. Und dabei geht es nicht nur darum, Urlaubstage zu planen und Gehälter zu verhandeln. Denn in der Logistik schwankt das Geschäft traditionell auch sehr stark. So benötigen Händler vor Weihnachten in der Regel weitaus mehr Personal und Kapazitäten als im übrigen Jahr. Die eigene Logistik muss daher so aufgestellt sein, dass man auch Spitzen gut bewältigen kann – obwohl die Halle das restliche Jahr dann nicht ausgelastet ist.“



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neuhandeln.de: Der Logistik-Dienstleister kann zwar packen, aber versteht er auch die Produkte?

Witt: „Es gibt es sicher Artikel, die beim Händler selber besser und effizienter aufgehoben sind. Zum Beispiel bei sehr individuellen Themen. Das kann von einer bedruckten Tasse über handwerklich bearbeitete Kleinserien gehen, für die man zum Beispiel Maschinen braucht, die sich ein Logistiker nur für einen einzelnen Kunden nicht anschaffen würde. Denn beim Fulfillment-Partner geht die Kosteneffizienz verloren, wenn jeder Händler seine eigene Infrastruktur braucht. Nachteilig kann es zudem sein, wenn der Händler vor dem Versand nicht mehr wie gewohnt selber „Hand anlegen“ kann – zum Beispiel, wenn Fahrräder vor dem Versand noch eingestellt werden. In solchen Fällen müssen Versender überlegen, ob sie sich nicht zuletzt durch ihre Logistik vom Wettbewerb unterscheiden. In diesem Fall wäre das Fulfillment eine Kernkompetenz – und damit keine Aufgabe, die man eigentlich an einen externen Dienstleister vergeben sollte.“

neuhandeln.de: Und wann sollte man als Händler das Fulfillment outsourcen?

Witt: „Outsourcing rechnet sich in der Regel für Versender, die bereits eine gewisse Größe haben und an einer Wachstumschwelle stehen – also Investitionen in Lagerkapazitäten, IT, Equipment oder Personal anstehen. Doch auch für Start-ups kann sich die Zusammenarbeit mit einem Logistiker rechnen. Wir haben zum Beispiel die Kontakte zu Reedereien oder Distributionspartnern und können die Supply Chain ab der Produktion abbilden. Dadurch kann der Händler bereits in der Startphase auf ein Netzwerk zurückgreifen, das er sich sonst selbst mühsam aufbauen muss. Dadurch ist mehr Zeit für die Auswahl der richtigen Produkte und die Schaffung der notwendigen Webpräsenz und Werbung.“

Heinrich DehnHeinrich Dehn ist ein internationales Logistikunternehmen, das weltweite Transport- und Logistikdienstleistungen sowie spezielle Logistik-Konzepte für den Handel anbietet. Neben der Zentrale in Hamburg mit 20.000 qm Logistikfläche gibt es zudem in Groß Gerau (Raum Frankfurt) weitere 20.000 qm moderner Hallenfläche. Heinrich Dehn verfügt dazu über ein modernes ERP-System und eigene Programmierer. Kunden können daher im „HD-Extranet“ jederzeit den Status der einzelnen Aufträge und den verfügbaren Lagerbestand online und in Echtzeit einsehen.

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