„Eine Schande“: Creatrade-Konzern vor Insolvenzverfahren

Kurz vor Ostern wurde am Amtsgericht Pinneberg (bei Hamburg) ein Insolvenz-Antrag gestellt für die Versendergruppe Creatrade (Aktenzeichen: 71 IN 96/17), zu der prominente Versendermarken wie „Impressionen“ und „Conleys“ gehören. Demnach ist Rechtsanwalt Oliver Dankert zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Creatrade Holding GmbH bestellt worden. Er ist obendrein der vorläufige Insolvenzverwalter der Schneider Versand GmbH, die ebenfalls zur Creatrade-Gruppe gehört und für die ebenfalls beim Amtsgericht Pinneberg ein Insolvenz-Antrag gestellt wurde (71 IN 95/17).

Creatrade Umsatz
Die Creatrade-Umsätze (Quelle: eigene Angaben in Mio. Euro; *vor Sonderfaktoren). Anmerkung: Seit 2014 fehlt im Umsatz der Gruppe das Geschäft von Prämie Direkt

Einer aktuellen Presse-Informationen zufolge war der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens geboten, nachdem „eine Refinanzierung der Gruppe überraschend nicht finalisiert werden konnte“. Der Geschäftsbetrieb von Schneider soll „so reibungslos wie möglich“ fortgeführt werden. Die Creatrade-Töchter Conleys, Impressionen sowie MiaVilla sind von den Anträgen nicht betroffen. Kein Statement gibt es von Investor Silverfleet Capital, der sich 2010 an der Versendergruppe beteiligt hatte.

Interessant: Beim Einstieg vor sieben Jahren hatte Silverfleet Capital an die Möglichkeit geglaubt, durch Investitionen in das E-Commerce-Geschäft die Online-Umsätze der Gruppe „signifikant steigern“ zu können. Nach Insider-Informationen von neuhandeln.de soll aber der Fokus auf das Online-Geschäft mit zur Schieflage beigetragen haben. Demnach soll sich die Gruppe zu schnell auf Online-Marketing konzentriert und einzelne Katalogausgaben komplett gestrichen haben, anstatt beispielsweise nur die Auflagen zu reduzieren und Print-Kataloge zunächst weiter an die besten Kunden zu versenden.

Zu schneller Umstieg auf das E-Commerce-Geschäft?

Durch die Einsparungen beim Katalog-Marketing habe man die Werbekosten reduzieren und dadurch den Ertrag erhöhen wollen, wie es aus dem Umfeld der Versendergruppe heißt. Vor diesem Hintergrund sei die Entwicklung „eine Schande“, wie ein Insider gegenüber neuhandeln.de klagt.

Zu schaffen machen dürfte der Creatrade-Gruppe aber auch, dass der Wettbewerb im Geschäft mit Mode und Lifestyle-Artikeln zunehmend härter mit. Während Conleys und Impressionen zu Katalogzeiten in den 90er Jahren erst wenige Wettbewerber hatten, tummeln sich heute mit Zalando, Monoqi oder Westwing weitere Spezialversender in einem zunehmend umkämpften Markt.

Marc Breitfeld Creatrade
Marc Breitfeld (Bild: Creatrade Holding)

Im vorletzten Geschäftsjahr 2015 war zudem das Geschäft mit Mode rückläufig, wie Creatrade-Geschäftsführer Marc Breitfeld erst vor wenigen Wochen im Exklusiv-Interview mit neuhandeln.de feststellen musste.

„Zum einen war 2015 generell der Handel mit Fashion schwierig, weil Verbraucher allgemein weniger Geld für Mode ausgegeben haben“, verdeutlichte der Creatrade-Chef. „Dazu hatten wir Schwierigkeiten mit dem Sortiment, weil die Kollektionen unserer Eigenmarken von Kunden nicht so angenommen wurden wie zuvor.“

Im vorletzten Geschäftsjahr 2015 konnte die Gruppe daher zwar einen Konzernumsatz von 230,6 Mio. Euro netto erzielen. Im Vergleich zum Vorjahr hatte damit aber das Geschäft um rund fünf Prozent abgenommen. Ursprünglich war für 2015 ein Umsatzplus von drei bis fünf Prozent geplant.

Auch sonst sind die zuletzt veröffentlichten Zahlen nicht gerade prickelnd. So wurde 2015 zwar ein EBITDA vor Sondereffekten in Höhe von 20,0 Mio. Euro erreicht, das nur leicht unter dem Wert aus dem Vorjahr lag (2014: 21,0 Mio. Euro). Das Konzernergebnis (nach Sondereffekten) war aber mit -13,3 Mio. Euro erneut negativ (2014: -10,4 Mio. Euro). Zum Fehlbetrag führten nach den offiziellen Angaben im Konzernabschluss zum einen Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände in Höhe von 16,3 Mio. Euro als auch Sondereffekte in Höhe von 8,3 Mio. Euro (unter anderem Aufwendungen für Rechts- und Beratungskosten) sowie Zinsen und ähnliche Aufwendungen von 6,6 Mio. Euro.

Gut möglich, dass Investor Silverfleet bei diesen Zahlen die Lust an seinem Engagement verloren hat. Dass es bei Creatrade kriselt, konnte man aber zuletzt auch zwischen den Zeilen lesen. So wurde im vergangenen August mit Eric Dubois ein neuer CEO berufen, nachdem Vorgänger Ulf Cronenberg die Gruppe wegen „unterschiedlichen Auffassungen über die künftige Entwicklung“ verlassen hatte. Zuvor hatte sich mit Geschäftsführer Risto Pfalz bereits der Logistik-Chef zum 30. September 2015 aus der Gruppe verabschiedet, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu widmen.

Zur Creatrade-Gruppe gehören fünf Vertriebsmarken. Im B2C-Geschäft zählen dazu neben Conleys und Impressionen noch MiaVilla und Gingar, die auf das Geschäft mit Mode- und Lifestyle-Artikeln spezialisiert sind. Im B2B-Geschäft ist man mit der Marke Schneider aktiv (Werbeartikel).

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2 Kommentare zu „Eine Schande“: Creatrade-Konzern vor Insolvenzverfahren

  1. vor allem ist es nicht gelungen den Kundennutzen vor dem Hintergrund der geschilderten Veränderungen im Wettbewerb zu optimieren. Warenverfügbarkeit und -qualität im Zusammenspiel mit zu hohen Preisen führten dazu, dass nur sehr wenige (teuer gewonnenen ) Neukunden ein zweites Mal kauften.

  2. adreko arbeitet seit Jahren als Dienstleister für Schneider und später die creatrade group. Mir hat es großen Respekt abgenötigt, mit welchem enormen Engagement die Mitarbeiter in den letzten Jahren versucht haben, die Gruppe wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Ich drücke die Daumen, dass man diesen Rückschlag überwindet.

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