E-Commerce 3.0: Amazon bringt die „Dash Buttons“ nach Deutschland

Das ging nun doch schneller als erwartet: Ab sofort bietet Amazon auch erstmals seinen Kunden in Deutschland die so genannten „Dash Buttons“ an, über die sich Verbrauchsartikel bequem per Knopfdruck bestellen lassen – ohne dass Kunden dazu überhaupt noch den klassischen Online-Shop aufsuchen müssen. In den USA bietet Amazon sein Online-Shopping ohne Online-Shop bereits seit einem guten Jahr an. Da in den Staaten der Service nach und nach ausgeweitet wurde, hatte sich ein Marktstart der „Dash Buttons“ in Deutschland bereits seit einigen Wochen angedeutet.

Amazon Dash Button
Dash Button an einer Waschmaschine, über den sich Waschmittel von Tide bestellen lässt (Bild: Amazon.com)

Der brandneue Amazon-Service funktioniert dabei in Deutschland genauso wie bislang in den Staaten. Das bedeutet: Der Button wird über eine Batterie betrieben und wahlweise mit einem Klebestreifen an einem Haushaltsgerät wie einer Waschmaschine befestigt (siehe Foto) oder mit einem Haken an der Wand zum Beispiel im Badezimmer aufgehängt.

Dash Buttons gibt es von verschiedenen Marken wie Ariel, Gillette und Tide, so dass sich über jeden einzelnen Button jeweils die Produkte dieser Marke bestellen lassen. Damit das funktioniert, müssen Amazon-Kunden jeden Dash Button aber zunächst einmal mit ihrem WLAN verbinden und anschließend über die Smartphone-App von Amazon mit ihrem Kundenkonto verknüpfen.

Hier kann man dann festlegen, welches Produkt genau über jeden einzelnen „Dash Button“ bestellt werden soll. Wenn Kunden beispielsweise einen „Tide”-Button haben, können sie hier unter verschiedenen Düften und Größen des Waschmittels der Marke „Tide” wählen. Wenn das Waschmittel ausgeht, muss man dann nur noch auf den Button drücken – schon wird das gewünschte Produkt bei Amazon geordert und zum Kunden nach Hause geschickt – inklusive kostenloser Prime-Lieferung. Und damit es nicht aus Versehen zu falschen Bestellungen kommt, gibt es Sicherheitsvorkehrungen. Zum einen können Kunden über die Amazon-App auf ihrem Smartphone noch einmal ihre Bestellungen überprüfen, ändern oder stornieren. Zum anderen lässt der Dash Button von vornherein erst zu, dass neue Bestellungen getätigt werden, wenn die aktuelle Bestellung beim Kunden eingetroffen ist.

Dank den „Dash Buttons“ sollen sich Amazon-Kunden nie wieder Gedanken darüber machen müssen, wann sie wieder Güter des täglichen Bedarfs („Fast Moving Consumer Goods“) wie Putzmittel, Tierfutter oder Waschmittel einkaufen müssen – schließlich reicht ein Knopfdruck nun bereits für die Bestellung und im Idealfall kommt der Nachschub noch, bevor die aktuelle Packung aufgebraucht ist.


 

Angeboten wird der Service aber – wie auch in den USA – bislang nur Kunden von Amazon, die Mitglied im Treueprogramm „Prime“ sind. Diese zahlen für jeden „Dash Button“ zunächst zwar 4,99 Euro, bekommen diese Gebühr aber auf die jeweils erste Bestellung bei jedem einzelnen „Dash Button“ wieder gutgeschrieben – wodurch die Hardware für Prime-Kunden praktisch kostenlos ist.

„Dash Buttons“: Schlecht für Händler, gut für Hersteller?

Mit den „Dash Buttons“ will Amazon seinen Kunden zwar das Online-Shopping erleichtern, aus reiner Nächstenliebe startet der Versandriese seinen neuen Service aber sicher nicht in Deutschland.

Marc Aufzug Factor-A
Marc Aufzug (Bild: Factor-A)

„Amazon hat deutlich mehr vor, als nur einzelne Produkte dem Kunden möglichst einfach zugänglich zu machen“, glaubt zum Beispiel auch Marc Aufzug, Geschäftsführer der Kölner Factor-A GmbH, die Marken und Hersteller beim Online-Handel mit Amazon berät und sich daher mit den Strategien des US-amerikanischen Versandriesen beschäftigt. „Mit den Dash Buttons kann Amazon die heimischen vier Wände erobern.“

So bekommt der Händler auch den direkten Kundenkontakt, ohne dass ein Dritter wie Google (Suchmaschinen), Facebook (Social Networks) oder Apple (Hardware) zwischen ihm und seinen Kunden sitzt.

Gerade Händlern von Fast Moving Consumer Goods (FMCG) könnte Amazon daher hierzulande das Geschäft zunehmend streitig machen, wenn Kunden künftig Verbrauchsgüter wie Waschmittel und Rasierklingen bequem über die „Dash Buttons“ nachbestellen anstatt die Ware weiter im Supermarkt zu kaufen. Doch während der Handel leiden dürfte, ergeben sich für Hersteller neue Perspektiven. Denn diese können künftig über den Amazon-Service ihre Kunden ebenfalls enger an sich binden.

Denn ab sofort bietet Amazon in Deutschland auch seinen so genannten „Dash Replenishment Service“ (DRS) an. Über diesen Dienst können Hersteller ihre Geräte über Schnittstellen so aufrüsten, dass sie den Produktverbrauch selbst messen und automatisch Waren nachbestellen. Ein Drucker kann dann zum Beispiel einen neuen Toner automatisch ordern, wenn wieder Nachschub nötig wird.

Amazon kümmert sich dabei um die Bestellabwicklung und den Kundenservice, so dass Hersteller keine eigene Infrastruktur für den Verkauf schaffen müssen. Prominente Hersteller wie Bauknecht, Brother, Bosch und Siemens Hausgeräte arbeiten bereits daran, die vollautmatischen Online-Bestellungen in ihre Geräte zu integrieren. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass die Geräte netzwerkfähig sind.

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5 Kommentare zu E-Commerce 3.0: Amazon bringt die „Dash Buttons“ nach Deutschland

  1. Und wie sieht es da mit Preiserhöhungen bei den Nachfüllpackungen (Kaffee etc.) aus?
    Wie kann dann der Kunde überhaupt (noch) reagieren?
    Die Bequemlichkeit kann teuer werden!

  2. Naja,

    wenn du abends zu Tanke rennen musst weil der Bierkasten leer ist, wird’s noch teurer. Dann doch lieber rechtzeitig dashen 🙂

    Wobei natürlich interessant wäre die Dash-Preise mit den Abo-Spar-Preisen zu vergleichen. (Ganz rien zufällig hab ich heute meine 2 Spar-Abos (für Rasierklingen und Goldfischfutter) mit den 3 meiner Frau zusammengelegt, weil es dann 15% statt nur 5% Rabatt gibt.

  3. Kurzes Update – Kind im Bett, Frau mit den Neuigkeiten des Tages „weißt was ich mir heut bestellt hab- so ein dashbutton…“

    Also, wir sind schonmal Zielgruppe.

    Wenn Amazon jetzt auch noch Hamster verkauft, können wir auch schonmal unsere notfallreserven hamstern. Oder ama schickt je nach Nachrichtenlage vorsorglich automatisch?

  4. Witzig, der erste Dash Button ist bei uns auch schon bestellt.

    Interessant dazu, wie die Markenartikler scheinbar die Dash Buttons sponsern:
    http://t3n.de/news/preise-amazons-dash-button-720404/

    „Demnach verlangt Amazon pro verkauftem Dash-Button 15 US-Dollar. Zudem fallen für den Hersteller oder Anbieter des nachbestellten Produkts pro Nachbestellung noch einmal 15 Prozent spezielle Verkaufsgebühren an, zusätzlich zu den acht bis 15 Prozent normalen Gebühren pro via Amazon verkauftem Produkt.“

  5. Und das Problem liegt wie immer auf der letzen Meile- Do Spätabend bestellt, Freitag verschickt, Sa angeblich in der Zustellung mit hermes, nachdem Hermes bei uns durch war extra bei Amazon angerufen „jaja, die kommen, noch, hab extra mit Hermes gesprochen“ – und nix war. Also mein Wasch- und Bügelwochenende wäre jetzt gelaufen und nächste Woche trocknet draussen nix wg Regen…

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