Coop@Home: Online-Wachstum schwächt sich spürbar ab

Nach dem Schweizer Online-Lebensmittelhändler LeShop.ch hat nun auch der Wettbewerber Coop@Home seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 vorgelegt. Diese wirken im direkten Vergleich allerdings durchwachsen. So konnte die Coop-Gruppe beim Online-Geschäft zwar einen Netto-Umsatz von 120 Mio. Franken erzielen, was ein Plus von 5,5 Prozent ist.

Coop@HomeCoop@Home machte 2015 ein starker Franken zu schaffen (Bild: Screenshot)

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Wachstum aber deutlich abgeschwächt. Zur Erinnerung: Im vorletzten Geschäftsjahr 2014 gab es ein Wachstum von 10,8 Prozent auf 114 Mio. Franken, nachdem Coop@Home bereits im Jahr zuvor zweistellig um 12,6 Prozent auf damals 103 Mio. Franken zulegen konnte. Nach eigenen Angaben war der Online-Supermarkt seit der Gründung im Jahr 2006 zudem jedes Jahr zweistellig gewachsen, was im vergangenen Geschäftsjahr 2015 mit einem Plus von nur noch 5,5 Prozent bei Coop@Home erstmals nicht mehr der Fall war.

Dramatisch ist diese Entwicklung zwar sicherlich nicht, da bei stetig steigenden Umsätzen hohe Zuwächse immer schwieriger werden – schließlich wächst man leichter zweistellig bei einem Jahresumsatz von zehn Mio. Franken als mit einer Vergleichsbasis von hundert Mio. Franken.

Preissenkungen und wirtschaftliches Umfeld hemmen Online-Wachstum

Ernüchternd wirkt die Jahresbilanz für 2015 trotzdem ein wenig. Denn auch im vergangenen Jahr hatte Coop wieder einiges unternommen, um seinen Online-Kunden weitere Services zu bieten. So wurden im vergangenen Sommer insgesamt acht Coop@home-Pick Up-Stationen in der Region Zürich eröffnet. Hier können Kunden in einem Supermarkt ihren Einkauf ab 16 Uhr abholen, wenn sie bis 12 Uhr bestellt haben. Vor Ort müssen sich Kunden beim Personal mit ihrem Lieferschein oder ihrer Auftragsbestätigung ausweisen, anschließend übergibt dann ein Mitarbeiter die bestellten Lebensmittel, die in Papiertaschen verpackt am Schalter vorliegen.

Während die neuen Pickup-Stationen im Supermarkt liegen, betreibt Coop@Home nach wie vor vier Drive-In-Stationen, wo Kunden ihre Ware an einem Schalter mit dem Auto abholen können (siehe Video). Bei beiden Varianten fällt im Gegensatz zur Heimlieferung kein Porto an.

Nach Angaben der Coop-Gruppe würden es die Kunden schätzen, ihre Lebensmittel online zu bestellen und danach in einer Verkaufsstelle abholen zu können. Auch die immer einfachere Nutzung des Internets sowie die zunehmende Verbreitung von mobilen Endgeräten würden prinzipiell das Wachstum bei Coop@Home begünstigen. Zeitgleich hätten allerdings zum einen “das herausfordernde Wirtschaftsumfeld durch den starken Franken” und auch die zahlreichen Coop-Preissenkungen das Wachstum beim Online-Lebensmittelhandel der Gruppe getrübt.

Ähnlich hatte in dieser Woche erst Wettbewerber LeShop aus der Migros-Gruppe argumentiert.

Konkret hieß es, dass viele Schweizerinnen und Schweizer auch im vergangenen Jahr wieder ihre Lebensmittel im Ausland gekauft hätten. Schätzungen zufolge sollen rund zehn Prozent des Schweizer Detailhandelumsatzes dadurch ins Ausland abgeflossen sein. Dennoch konnte man bei LeShop.ch den Netto-Umsatz um 6,6 Prozent auf 175,9 Mio. Franken erhöhen. Damit gab es bei der Migros-Tochter ein stärkeres Wachstum auf höherem Niveau als bei Coop@Home.


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Wachsen konnte LeShop unter anderem auch deshalb, weil man die Zeitfenster für Lieferungen verkleinert hatte. In ersten Gebieten gibt es Ware nun schon wahlweise zwischen 09 und 12 Uhr, von 12 bis 14 Uhr oder zwischen 14 und 17 Uhr. Zuvor hatte LeShop.ch unterm Tag nur ein Lieferfenster geboten, bei dem Kunden von 07.30 bis 17 Uhr auf ihre Ware warten mussten.

Das ist bei Coop@Home aktuell immer noch der Fall, wenn Bestellungen mit der Post geliefert werden (und nicht über die hauseigenen Zusteller). Gegenüber neuhandeln.de stellt die Coop-Gruppe aber bereits in Aussicht, Im Bereich der Auslieferung mehr Lieferfenster am Morgen anbieten zu wollen – was einem Bedürfnis der Kundschaft entspreche. Kein Wunder. Wer den ganzen Tag zu Hause auf seine Online-Bestellung warten muss, spart schließlich auch keine Zeit – und kann deswegen dann auch genauso gut weiter im stationären Supermarkt einkaufen.

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