China-Geschäft: Warum Windeln.de jetzt mit Alibaba kooperiert

Seit dem vergangenen Monat betreibt die deutsche Windeln.de AG erstmals einen eigenen Online-Shop auf dem chinesischen Internet-Marktplatz Tmall, der zur einheimischen Alibaba-Gruppe gehört. So will der Spezialversender zum einen weitere Kunden aus China erreichen, die bislang noch nicht bei Windeln.de kaufen. Zum anderen soll der Tmall-Shop das Geschäft in Fernost wieder ankurbeln, das zuletzt aufgrund neuer Importregeln ins Stocken geriet. Doch genau deshalb sieht Windeln.de eine rosige Zukunft in China, wie Vorstand Alexander Brand im Gespräch mit neuhandeln.de verrät.

neuhandeln.de: Kunden aus China können bereits seit 2011 über eine lokalisierte Version des Online-Shops Windeln.de bei Ihnen einkaufen. Warum starten Sie dann zusätzlich den Vertrieb über Tmall?

Alexander Brand
Alexander Brand (Bild: Windeln.de AG)

Alexander Brand: „Für eine Präsenz auf Tmall sprechen verschiedene Gründe. Zum einen hat der Online-Marktplatz einen Marktanteil von 80 Prozent in China, so dass wir hier auch Verbraucher erreichen, die unseren eigenen Online-Shop Windeln.de noch nicht kennen. Zum anderen nutzen viele Chinesen den Online-Marktplatz als Suchmaschine, wenn sie sich über Produkte informieren. Wo bei uns die Kaufvorbereitung meist bei einer Suchmaschine wie Google begonnen wird, starten viele Chinesen ihre Produkt-Recherche bei Tmall. Für uns ist es daher sinnvoll, dort präsent zu sein, wo auch die Verbraucher sind. Vor allem: Produkte „made in Germany“ werden von Chinesen nach wie vor stark nachgefragt.“

neuhandeln.de: Das dürfte besonders für Babynahrung gelten.

Brand: „Die wir aus genau diesem Grund auch jetzt auf Tmall anbieten. Ansonsten fällt das Sortiment auf dem Online-Marktplatz kleiner aus als in unserem regulären Online-Shop, wo wir ein Vollsortiment vorhalten. Baby- und Kinder-Mode zum Beispiel bieten wir nur auf Windeln.de und nicht bei Tmall.“

neuhandeln.de: Unterscheidet sich neben dem Sortiment auch die Logistik?

Brand: „Bislang nicht. So werden Kunden aus China immer aus unserem deutschen Zentrallager in Großbeeren beliefert. In den kommenden Monaten möchten wir aber auch ein zusätzliches Lager in China mit ausgewählten Produkten eröffnen, von wo aus dann die Kunden aus der Region mit unseren Bestsellern beliefert werden können.“

neuhandeln.de: Damit Kunden nicht mehr so lange auf die Ware warten müssen?

Brand: „In der Tat dauert es sechs bis zehn Werktage, bis chinesische Kunden ihre Bestellungen aus Deutschland bekommen. Allerdings waren die Lieferzeiten auch schon einmal etwas länger, als wir ausschließlich die Zustellung über so genannte „Freight Forwarder“ angeboten hatten. Hier haben wir unsere Ware zunächst an einen Spediteur in Deutschland geliefert, von wo aus die Ware dann nach China ging. In diesem Fall musste der Dienstleister aber erst unsere Ware annehmen und sammeln, wodurch die Bestellungen oft zwei bis drei Tage zusätzlich unterwegs waren.“

LogReal Seminare

neuhandeln.de: Rechtlich wird diese Art der Zustellung ja obendrein auch noch erschwert.

Brand: „In der Tat gelten seit April 2016 neue Importregeln und Zölle für Warenlieferungen nach China, mit denen die chinesische Regierung den Graumarkt eindämmen will. Schließlich kaufen chinesische Kunden unter anderem Babynahrung immer wieder in großen Mengen in Deutschland ein, um sie dann an der Regierung vorbei auf Graumärkten in China anzubieten. Weil die Regierung an diesen Geschäften aber nichts verdient, soll künftig nur ein Händler noch Ware nach China importieren können, der dafür ein so genanntes „Certificate of Origin“ vorweisen kann. Über dieses Zertifikat verfügen in unserem konkreten Fall wir als Händler, aber nicht der Freight Forwarder.“

neuhandeln.de: Trotzdem haben die neuen Regeln das Geschäft zunächst erschwert.

Brand: „Weil die an sich gut gemeinten Rahmenbedingungen einfach von heute auf morgen umgesetzt wurden. Zwar waren die Lieferungen von windeln.de nach China bis auf eine ganz geringe Zollerhöhung durch die neuen Regeln nicht betroffen. Im gesamten Markt war jedoch eine Verunsicherung und damit eine Kaufzurückhaltung zu beobachten, da die neuen Regeln noch nicht vollständig präzisiert waren. Auch deshalb hat die chinesische Regierung die neuen Importregeln zunächst wieder ausgesetzt, im kommenden Frühjahr sollen dann präzise Rahmenbedingungen geschaffen werden.“

Windeln.de Tmall Alibaba
So bunt sieht der brandneue Tmall-Shop von Windeln.de aus (Bild: Screenshot)

neuhandeln.de: Droht dann noch einmal ein Umsatzrückgang in China?

Brand: „Was konkret passiert, lässt sich schwer voraussagen. Prinzipiell sind die angedachten Importregeln aber eine gute Sache, da sie seriöse Online-Händler wie uns stärken und den Graumarkt schwächen sollen. Seit die Regeln ausgesetzt wurden, zieht zudem das Geschäft in China generell wieder an und wir sind auf dem Weg zurück zu unserem alten Umsatzniveau.“

Die Münchner Windeln.de AG konnte im vergangenen Geschäftsjahr 2015 einen Netto-Umsatz von 178,6 Mio. Euro erzielen. 91,1 Mio. Euro Netto-Umsatz davon und damit mehr als die Hälfte vom Gesamtumsatz wurde über Kunden aus China erzielt, die über eine chinesische Sprachversion des Online-Shops Windeln.de einkaufen können. Doch im ersten Halbjahr 2016 sank der Netto-Umsatz mit chinesischen Kunden leicht um 0,5 Prozent auf 40,9 Mio. Euro, im zweiten Quartal 2016 ging der Umsatz sogar um 11,2 Prozent auf 19,1 Mio. Euro zurück. Hintergrund waren die „regulatorischen Änderungen“ für Kunden in China, die sich im zweiten Quartal 2016 bemerkbar machten.

Schon gewusst? Jeden Freitag erscheint der kostenlose Newsletter von neuhandeln.de – so erhalten Sie alle Beiträge bequem in Ihr Postfach und verpassen keine Artikel mehr. Über 3.506 Kollegen aus dem Versand- und Multichannel-Handel beziehen bereits den Newsletter – hier geht es zum Abo.

1 Kommentar zu China-Geschäft: Warum Windeln.de jetzt mit Alibaba kooperiert

  1. „Wo bei uns die Kaufvorbereitung meist bei einer Suchmaschine wie Google begonnen wird, starten viele Chinesen ihre Produkt-Recherche bei Tmall“

    Ich will ja nix sagen, aber die Konsequenz wäre natürlich, dass Windeln.de hierzulande auf der grössten produktsuchmaschine vertreten sein müsste, die in Deutschland eben sicherlich nicht Google heisst.

Kommentare sind deaktiviert.