Buchhandel: Wieso das Geschäft mit eBooks bereits lahmt

Auf neuhandeln.de hatte ich bereits vor längerer Zeit prognostiziert, dass das Geschäft mit eBooks kein Selbstläufer werden dürfte. Aktuelle Zahlen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels stützen nun meine These. Demnach sind eBooks nicht nur nach wie vor ein Nischengeschäft. Auch das Wachtum in diesem jungen Markt schwächt sich bereits ab.

Börsenverein eBook ZahlenDer Anteil von eBooks am Gesamtmarkt bleibt gering (Bild: Börsenverein)

Laut dem Börsenverein liegt der Umsatzanteil mit eBooks im Publikumsmarkt des gesamten deutschen Buchhandels (also ohne Schul- und Fachbücher) nach drei Quartalen bei 4,8 Prozent (siehe Grafik). Im Vergleich: Im Vorjahreszeitraum (Q1-Q3/2013) lag dieser Anteil mit 4,3 Prozent bereits auf einem ähnlichen Niveau, weil der Umsatzanteil mit eBooks im Jahresvergleich gerade einmal um mickrige 8,7 Prozent angezogen hat. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag die Wachstumsrate im Vergleich zum Vorjahr noch bei deutlich höheren 62,6 Prozent.

Insgesamt haben knapp fünf Prozent beziehungsweise 3,3 Mio. Menschen aus der deutschen Gesamtbevölkerung ab 10 Jahren in den ersten neun Monaten 2014 ein eBook gekauft (siehe zweite Grafik). 2013 waren es in diesem Zeitraum zwar erst 2,8 Mio. Menschen. Trotz der Jubelarien um den Tolino steckt das Geschäft mit eBooks aber weiter in der Nische.

Börsenverein eBook ZahlenErst wenige Verbraucher kaufen eBooks (Bild: Börsenverein)

In meiner Analyse kam ich seinerzeit zu dem Fazit, dass fünf Hürden das eBook-Geschäft erschweren. So kosten viele eBooks fast genauso viel wie gedruckte Bücher, wodurch ein Preisvorteil für Konsumenten fehlt. Wer einen eBook-Reader kauft, dürfte darauf in vielen Fällen auch immer nur einen Bruchteil seiner Bibliothek speichern. Nicht weil Platz auf den Geräten fehlt. Sondern weil die bereits gekauften Print-Titel nach wie vor zu Hause im Regal stehen und sich nicht einfach wie Musik-CDs einlesen und auf ein Abspielgerät laden lassen.

Der Vergleich mit der Musikindustrie bietet sich auch aus einem zweiten Grund an. Wer Downloads kauft, kann sich nämlich für einzelne Titel entscheiden und sich damit viele Füller ersparen, die sich immer wieder auf einem Longplayer einschleichen. So entsteht allein durch die Digitalisierung ein Mehrwert, den ich bei eBooks in dieser Form nicht sehen kann.

Claudia PaulDie digitalen Bücher habe natürlich auch ihre Vorteile, da man bequem übers Internet neuen Stoff besorgen und viele Titel platzsparend verwalten kann. eBooks sind für Verbraucher daher durchaus attraktiv, argumentiert auch Presse-Sprecherin Claudia Paul (Foto) vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegenüber neuhandeln.de. Mit ihrer Einschätzung bringt sich aber auch auf den Punkt, warum das eBook-Geschäft bereits heute lahmt:

„Wir sind uns sicher, dass der E-Book-Umsatzanteil im Publikumsmarkt weiter wachsen wird – nur vielleicht nicht so rasch wie viele vermutet haben. Denn eBooks sind für die Leser attraktiv, nur haben gleichzeitig auch die gedruckten Bücher nichts von ihrer Attraktivität verloren.“

Ihr zufolge dürfe man auch nicht den Fehler machen und das Geschäft in Deutschland mit dem US-Markt vergleichen, wo eBooks bereits eine bedeutendere Rolle im Buchhandel spielen:

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„In den USA gibt es keine Buchpreisbindung und keinen flächendeckenden Buchhandel wie in Deutschland. Dort sind die Strecken auch viel länger – bis Kunden ein gedrucktes Buch erhalten, kann es durchaus dauern. Das fördert daher natürlich die breite Nutzung von eBooks in den USA, da digitale Bücher sofort verfügbar sind. In Deutschland fehlt dieser Vorteil, da Kunden ein gedrucktes Buch im Grunde schon am nächsten Tag haben.“

Welche Rolle das eBook-Geschäft in Deutschland langfristig einmal spielen könnte, mag Paul vor diesem Hintergrund nicht prognostizieren. Aktuell wäre das nur „Kaffeesatz-Leserei„. Gut möglich ist aber, dass neue Angebote wie die eBook-Flatrate von Amazon das Geschäft befeuern. Denn gerade für Vielleser entsteht durch eine Flatrate schnell ein (Preis-)Vorteil.

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