Big Book adé: Polo Motorrad beerdigt klassischen Print-Katalog

Der Multichannel-Händler Polo Motorrad geht beim Marketing neue Wege. Denn ab sofort setzt der Spezialist für Motorrad-Zubehör und Bekleidung auf ein gedrucktes Kunden-Magazin, um seine Verkäufe anzukurbeln. Im Gegenzug verabschiedet sich Polo von seinem alten Print-Katalog, da das neue Magazin nun das klassische „Big Book“ ersetzt. So will der Versender seine Kunden besser ansprechen, die sich eigenen Befragungen zufolge statt einem dicken Schmöker viel lieber ein Print-Produkt wünschen, das mehrmals im Jahr erscheint und dadurch aktuellere Inhalte bietet.

Polo Magazin
Cover des neuen Print-Magazins (Bild: Polo)

Das Ergebnis ist daher nun das neue Polo Motorrad Magazin, das Kunden eine Mischung aus einem klassischen Polo-Katalog, einer Fachzeitschrift und einem Kundenmagazin bieten soll. Das Heft erscheint dreimal im Jahr und hat einen Umfang von gerade einmal 132 Seiten.

Zum Vergleich: Das klassische „Big Book“ kam bislang immer auf rund 700 Seiten, erschien dafür aber auch nur einmal im Jahr. Denn der Katalog war in erster Linie als Nachschlagewerk konzipiert, in dem möglichst viele Polo-Produkte abgedruckt wurden.

Diese gibt es im neuen Magazin zwar weiterhin. Schließlich entscheidet das Polo-Team nach wie vor, welche Produkte von den Verkaufszahlen und der Relevanz her ein Plätzchen im neuen Print-Magazin verdient haben. Es gibt aber keine ellenlangen Seiten mit technischen Kleinteilen mehr wie früher im Katalog, sondern eine Auswahl an Neuheiten und Innovationen aus dem Polo-Sortiment.

In der Praxis sieht das dann so aus: Auf Doppelseiten (Beispiel Seite 10/11) präsentiert Polo ein Outfit mit Jacke, Hose und Handschuhen. Gut gemacht ist dabei, dass Polo nicht nur generell erklärt, warum genau diese Produkte empfohlen werden („Solltet ihr auf keinen Fall verpassen“). Wer Interesse hat, kann einen Artikel über eine Kennziffer neben der Ware direkt im Online-Shop suchen und bestellen.

Gelungen: Zentrale Produkteigenschaften werden auf manchen Seiten mit fetter Schrift betont, so dass diese Produkte direkt ins Auge stechen (Seite 36: „Unsere Damen-Modelle sind speziell entwickelt und nicht nur verkleinerte Männergrößen“). Gut ist auch, dass auf klassische Doppelseiten immer wieder „Störer“ folgen, wo nur ein einziges Produkt vor einem anderen Hintergrund beworben wird. Schön zu sehen auf Seite 15, wo ein Helm mit integriertem Soundsystem den ganzen Platz belegt.



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Aufgelockert wird die Produktauswahl durch reaktionellen Content, den Polo zusammen mit einer externen Agentur und einem Redaktionsteam produziert. So gibt es zum Beispiel einen Bericht über ein Foto-Shooting in Rumänien (Seite 22 bis 29), der mit Landschaftsaufnahmen geschmückt wird und zum Hinschauen verleitet. Auch Inhalte mit konkretem Nutzwert sind enthalten. So informiert Polo zum Beispiel ab Seite 88, wie man sein Motorrad nach der Winterpause fit für die Straße bekommt.

Ebenfalls interessant: Das Magazin wird jetzt an A-Kunden verschickt und liegt nun Bestellungen bei. Zum Vergleich: Der alte Katalog wurde nur nach einer Vorbestellung an die Kunden geschickt. Jetzt sollte Polo also mehr Kunden erreichen, was wiederum zu mehr Käufen führen dürfte.

Unterm Strich macht das Magazin einen guten Eindruck, drei zentrale Punkte sollte Polo aber doch verbessern. Zum einen werden auf dem Cover zwar Produkte beworben, es fehlen aber die passenden Seitenangaben. So muss der Kunde mühsam im Heft suchen, wo es die Artikel überhaupt gibt.

Websale

Zum anderen lassen sich Artikel zwar über Kennziffern bestellen. Wie das aber konkret geht, wird nicht beschrieben. Damit droht, dass viele Kunden das Prinzip gar nicht bemerken oder verstehen.

Und zu guter Letzt: Die Rückseite ist extrem aufmerksamkeitsstark und eignet sich eigentlich ideal, um einzelne Bestseller zu bewerben und Service-Vorteile für den Kunden aufzuzählen (z.B. Gratis-Versand). Doch hier begnügt sich Polo nur mit einem Hinweis darauf, dass es Produkte der Marke „Spirit Motors“ exklusiv bei Polo gibt. Ob es sich dabei um Motorrad-Zubehör oder Bekleidung handelt? Unklar. Auf welchen Seiten die Produkte im Magazin zu finden sind? Wird leider auch hier nicht verraten.

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