Beurlaubungen: Spreadshirt schließt deutsche Produktion

Das auf Mass Customization spezialisierte E-Commerce-Unternehmen Spreadshirt verlagert seine Produktion komplett ins Ausland. Nach Informationen von neuhandeln.de wurde der Produktionsstandort in Leipzig geschlossen, in dem Textilien, Handy-Hüllen und Tassen mit individuellen Designs bedruckt wurden, die man bei Spreadshirt in Auftrag geben kann.

Spreadshirt-Produktion in TschechienSpreadshirt verlagert seine Produktion nun ganz ins Ausland (Bild: sprd.net AG)

Dass diese Produktionsstätte der deutschen Spreadshirt Manufacturing Deutschland GmbH nun geschlossen wurde, habe verschiedene wirtschaftliche und operative Gründe. Für einen reibungslosen Ablauf des Gesamtgeschäftsbetriebes ist es nach Angaben der übergeordneten sprd.net AG zum einen dringend erforderlich, dass die Standorte des Mass-Customization-Spezialisten skalierbar sind. Dass sei bei der Leipziger Produktion aber nicht der Fall, so dass Spreadshirt hier bei Schwankungen im Geschäft nicht einfach zusätzliche Aufträge verarbeiten könne – etwa vor Weihnachten, wenn das Geschäft im Versandhandel meist stark zunimmt.

Um in Leipzig besser skalieren zu können, hätte man zunächst generell die Kapazitäten der Produktionsstätte erhöhen müssen. Das sei aber wegen „wirtschaftlichen Überlegungen“ nicht möglich, was wiederum der zweite Grund für die Stilllegung der Leipziger Produktion ist.

Verarbeitet werden die Bestellungen daher künftig im Ausland. So wird das Auftragsvolumen für den Leipziger Standort nun auf die Spreadshirt-Standorte in Polen (Legnica) und Tschechien (Krupka) verteilt, wo der Mass-Customization-Spezialist in den vergangenen Jahren weitere Produktionsstätten aufgebaut hat. Während es die deutsche Produktionsstätte bereits seit Gründung des Unternehmens im Jahr 2002 gab, ist Spreadshirt in Polen erst seit dem Jahr 2006 aktiv, der Standort in Tschechien wurde sogar erst im vergangenen November eröffnet.

Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass man bereits damals geplant hatte, den deutschen Standort aufzugeben. Auf Nachfrage von neuhandeln.de argumentiert Spreadshirt allerdings, dass der tschechische Standort „aufgrund eines anhaltenden Wachstums“ eröffnet worden sei. Ohne diesen Standort hätte man das Weihnachtsgeschäft gar nicht bewältigt.

Überhaupt sei Spreadshirt im Ausland viel flexibler aufgestellt, da man hier das Geschäft besser skalieren könne. Bereits vor dem Aus der deutschen Produktion wurden daher rund 90 Prozent der Aufträge aus Europa in Polen und Tschechien bearbeitet. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Beschäftigten wider. So hat Spreadshirt derzeit in Polen (Legnica) ungefähr 230 Beschäftigte im Durchschnitt, in der kürzlich eröffneten Produktion in Tschechien sind es 50 Beschäftigte.

In Leipzig dagegen hatte Spreadshirt zuletzt nur noch 26 Mitarbeiter beschäftigt, davon 16 in Vollzeit. Alle Beschäftigten wurden nun beurlaubt, Gespräche mit dem Betriebsrat laufen. Keine Auswirkungen hat das Aus der Produktion in Deutschland auf die übrigen 250 Beschäftigten, die am Firmensitz Leipzig unter anderem für Verwaltung, IT und Marketing zuständig sind. Es soll ja schließlich nur die Spreadshirt Manufacturing Deutschland GmbH stillgelegt werden.


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Im vergangenen Geschäftsjahr 2015 hatte Spreadshirt viel In Marketing investiert. Zum einen gab es mehrere TV-Kampagnen. Nachdem die TV-Spots zu Jahresbeginn noch selbst umgesetzt wurden, hatte man im Jahresverlauf eine externe Agentur mit der Konzeption beauftragt – zum ersten Mal überhaupt bei Spreadshirt, wo man bereits seit 2008 auf TV-Kampagnen setzt.

Im vergangenen Jahr hatte Spreadshirt außerdem eine Marktplatz-Offensive gestartet und seine Produkte zusätzlich auf die Online-Portale von eBay Deutschland sowie Rakuten in den USA und Deutschland gebracht. Mit den zusätzlichen Angeboten will Spreadshirt seitdem neue Kunden erreichen und das Wachstum schüren, nachdem der Umsatz im vorletzten Geschäftsjahr 2014 bei rund 72 Mio. Euro netto stagniert hatte. Zahlen für 2015 nennt Spreadshirt bislang nicht, ein deutliches Umsatzplus für 2015 scheint aber durchaus realistisch. Sonst hätte man ja nicht im vergangenen Herbst die zusätzliche Produktion in Tschechien eröffnet.

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