Beate Uhse: Marken-Relaunch dauert länger als erwartet

Bereits Ende Oktober hatte die Beate Uhse AG gewarnt, dass der Erotik-Konzern im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich weniger Umsatz und Gewinn erzielen wird als erwartet. Mehr zu den Gründen haben die Flensburger nun in ihrer Bilanz für das dritte Quartal 2015 verraten.

Beate UhseBei der Beate Uhse AG läuft es derzeit alles andere als rund (Bild: Screenshot)

Demnach konnte der Spezialist für Erotik-Artikel im Zeitraum von Juli bis September 2015 nur einen Netto-Umsatz von 30,6 Mio. Euro über alle vier Konzernsparten erzielen (Einzelhandel, Versandgeschäft, Großhandel, Entertainment-Dienste), womit der Umsatz zum dritten Quartal aus dem Vorjahr zweistellig um rund 13 Prozent gesunken ist (Q3/2014: 35,3 Mio. Euro).

Bereits im ersten Quartal 2015 war der Konzern-Umsatz spürbar um 4,6 Prozent auf 36,2 Mio. Euro geschmolzen (Q1/14: 38,0 Mio. Euro), in den ersten sechs Monaten 2015 sank der Umsatz des gesamten Konzerns sogar um -6,5 Prozent auf 65,5 Mio. Euro (6M/2014: 70,0 Mio. Euro).

Diese Umsatzrückgänge konnte der Konzern bislang aber immer plausibel begründen. So war der Umsatz im stationären Einzelhandel beispielsweise im ersten Halbjahr 2015 von 20,8 Mio. auf 16,1 Mio. Euro gesunken, weil sich der Konzern aus Norwegen und Italien zurückgezogen und zusätzlich Filialen geschlossen hatte. In den ersten sechs Monaten hatte es im stationären Einzelhandel daher zum Beispiel flächenbereinigt sogar ein Plus von 5,3 Prozent gegeben.

Beim Versandgeschäft wiederum ging der Umsatz im ersten Halbjahr 2015 von 30,6 Mio. auf 29,3 Mio. Euro zurück, weil die Umsätze aus dem klassischen Katalogversand weiter sanken und Beate Uhse weniger mit Gutscheinen auf Online-Portalen wie Groupon geworben hatte.

“Nicht nachhaltig genug”: Neue Markenausrichtung braucht mehr Zeit

All diese Faktoren machen sich nun zwar auch im dritten Quartal 2015 bemerkbar. Insgesamt sank hier nun der Umsatz im Einzelhandel im dritten Quartal 2015 von 11,5 auf 8,1 Mio. Euro, im Versandhandel gab es ein Minus von 13,9 auf 12,8 Mio. Euro im dritten Quartal 2015.

Von Juli bis September 2015 fiel nun aber zum Beispiel im Einzelhandel auch flächenbereinigt der Umsatz um 0,2 Mio. Euro beziehungsweise 2,7 Prozent geringer aus. Beim Versandhandel wiederum sank das Kataloggeschäft nun nicht nur schneller als geplant. Im dritten Quartal konnte auch der E-Commerce nicht die in diesen Kanal gesetzten Erwartungen erfüllen.

Die Begründungen überraschen: So argumentiert der Konzern, dass die Umsetzung der neuen Markenausrichtung mehr Zeit erfordere als erwartet. Beim stationären Einzelhandel habe sich zum Beispiel jetzt gezeigt, dass die Erschließung neuer Zielgruppen und Produktwelten noch “nicht nachhaltig genug” umgesetzt werden konnte. Zum anderen tragen die Investitionen in TV-Werbung nach eigenen Angaben auch noch “nicht nachhaltig genug” zum Umsatz bei.

Zur Erinnerung: Seit rund zwei Jahren positioniert sich Beate Uhse im B2C-Geschäft neu, um verstärkt Frauen als Kunden anzusprechen. Aus diesem Grund erhalten die Ladengeschäfte nach und nach ein modernes Store-Design, das Logo wurde bereits vor rund zwei Jahren neu gestaltet. Die neue Markenausrichtung wird zudem mit TV-Spots beworben (siehe Video).

Gegenüber neuhandeln.de hieß es vor zwei Monaten noch, dass die neue Markenausrichtung aufgehe und der Konzern “eine zunehmende Akzeptanz” für seine neue Markenausrichtung bei Endverbrauchern bemerke. Diese Aussagen stehe laut Konzern nicht in einem Widerspruch zur aktuellen Entwicklung, da man zu Beginn des Relaunchs viele Anfangserfolge habe verzeichnen könne. Bislang sei es dem Konzern aber nicht gelungen, aus Einmalbestellern auch langfristige Stammkunden zu machen – was deshalb den Verdacht nahe legt, dass entweder das Angebot nicht stimmt oder Kunden sich von der Marke doch nicht richtig angesprochen fühlen.

Insgesamt hat sich das Ergebnis (EBIT) des gesamten Konzerns im dritten Quartal 2015 von 0,5 Mio. auf -4,5 Mio. Euro verschlechtert. Ergebnismindernd wirkte sich dabei zum einen zwar der geringere Umsatz aus. Zum anderen hatten aber auch einige Sonderfaktoren das schlechtere Ergebnis verursacht. So belasten unter anderem verschlechterte Wechselkurse das Ergebnis.

Dazu hatte der Konzern sein Erotik-Muesum in Berlin geschlossen, wodurch Wertverluste bei den Museumsexponaten entstanden. Zusätzlich wurden nicht zuletzt durch Filialschließungen auch rund 60 Mitarbeiter entlassen, wodurch Kosten für Abfindungen angefallen sind. Allein durch diese Sonderfaktoren hat sich das Ergebnis bereits um 4,3 Mio. Euro verschlechtert.

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