Babymarkt.de: Tengelmann-Tochter plant zusätzliche Filialen

Der Spezialversender Babymarkt.de will im stationären Einzelhandel expandieren. Mittelfristiges Ziel ist demnach, zehn bis 15 Filialen in Deutschland zu betreiben und in den Großstädten vor Ort präsent zu sein. Das stellt Geschäftsführer Bastian Siebers gegenüber neuhandeln.de in Aussicht, der für den Spezialversender aus der Tengelmann-Gruppe seit einem guten Jahr als CEO verantwortlich ist.

Babymarkt.de Filiale
Erste Filiale in Dortmund (Bild: Babymarkt.de)

Grund für die geplante Filialexpansion ist, dass bereits heute das Geschäft in den beiden bestehenden Filialen in Dortmund und Duisburg brummt und Babymarkt.de hier den Umsatz zum Vorjahr „deutlich steigern“ konnte. Vor diesem Hintergrund eröffnet noch in diesem Monat die dritte Filiale des Spezialversenders, die dann ebenfalls in Dortmund liegen wird.

Positiv entwickelt hat sich im vergangenen Geschäftsjahr 2015 aber nicht nur das Geschäft in den beiden Filialen, sondern auch der Gesamtumsatz des Spezialversenders, der in Deutschland verkauft und unter der Zweitmarke „Pink or Blue“ in elf weiteren europäischen Ländern aktiv ist.

Über alle Vertriebsaktivitäten konnte die Tengelmann-Tochter einen Netto-Umsatz von 74,6 Mio. Euro erzielen, was ein Plus von 10,7 Prozent bedeutet – und aus zwei Gründen bemerkenswert ist.

Zum einen hatte die Tengelmann-Tochter im letzten Jahr ihren Shopping-Club „VIP Family“ geschlossen, wodurch Umsatz verloren ging. Die Idee hinter dem Shopping-Club war, das vorhandene Sortiment an Kinder- und Babybedarf um Damenmode zu erweitern, so dass Mütter bei einem Einkauf für den Nachwuchs auch etwas für sich kaufen können. Prinzipiell habe diese Herangehensweise funktioniert, wie Babymarkt-Chef Siebers gegenüber neuhandeln.de betont. Den zusätzlichen Aufwand spare man sich jetzt trotzdem, um die vorhandenen Ressourcen für das Kerngeschäft zu bündeln.

Hier habe man im vergangenen Jahr ebenfalls das Geschäft konsolidiert und den Fokus wieder auf das Geschäft mit Kinderwägen und Kindersitzen gelegt. Bei Verbrauchsartikeln wie Windeln wurden im Gegenzug die Preise erhöht, was ebenfalls zu weniger Umsatz führte. Der Hintergrund: Ursprünglich wollte Babymarkt.de die Kunden über preisgünstige Windeln anfixen, um im Anschluss daran teure Hartwaren zu verkaufen. Dieses Konzept ist in der Praxis dann aber doch nicht aufgegangen, weil werdende Eltern oft schon Kinderwagen & Co. kaufen, bevor der Nachwuchs da ist.

Auch bei Plus.de und GartenXXL.de brummt das Geschäft

Trotz höheren Preisen bei Verbrauchsgütern und dem eingestellten Shopping-Club stieg der Umsatz aber deutlich, weil durch den Fokus auf höherpreisige Investitionsgüter die durchschnittliche Warenkorbgröße gestiegen ist und das Marketing effizienter wurde. So produziert die Tengelmann-Tochter zum Beispiel ihre TV-Spots jetzt inhouse, nachdem zuvor Agenturen beschäftigt wurden.

Verbessert hat sich auch das Ergebnis des Spezialversenders, wobei die Tengelmann-Tochter aber nach wie vor keinen positiven Ergebnisbeitrag zum Geschäft der Tengelmann-Gruppe beisteuern konnte.

Das gilt übrigens auch für die Tengelmann E-Stores GmbH, über die das Geschäft der beiden Online-Shops GartenXXL.de und Plus.de läuft. Beide Shops zusammen konnten im vergangenen Geschäftsjahr 2015 einen Netto-Umsatz von 49,7 Mio. Euro erzielen, was einem Plus von 38,4 Prozent entspricht.

Websale

Der tatsächliche Endkundenumsatz dürfte aber noch deutlich höher ausfallen. Denn im Netto-Umsatz von 49,7 Mio. Euro sind nur Einnahmen aus eigenen Warenverkäufen sowie Provisionen von Handelspartnern enthalten, die ihr Sortiment über Plus.de und GartenXXL.de vertreiben. Schätzungen zufolge dürfte etwa ein Drittel der Verkäufe über Handelspartner erfolgen, die ihre Ware per Dropshipping im Namen der Tengelmann-Tochter an die Kunden versenden.

Bastian Siebers
Bastian Siebers, CEO von Babymarkt.de und der Tengelmann E-Stores GmbH

Wachsen konnte Plus.de unter anderem, weil das Sortiment ausgebaut wurde. Bei GartenXXL.de wiederum haben sich die Umsätze verdoppelt, weil erneut in TV-Werbung investiert wurde und der Spezialversender dazu erstmals ein volles Jahr vom Geschäft in Österreich profitieren konnte, wo die Tengelmann-Tochter im Sommer 2014 gestartet war.

Mit dem Spezialversender für Gartenbedarf ist Tengelmann auch in Deutschland erst seit Frühjahr 2013 aktiv, so dass der Löwenanteil vom Gesamtumsatz der Tengelmann E-Stores GmbH wohl über den Universalversender Plus.de generiert worden ist. Wie sich die Umsätze auf die beiden einzelnen Online-Shops verteilen, verrät der Handelskonzern allerdings nicht.

Die für den Betrieb der beiden Online-Shops Plus.de und GartenXXL.de verantwortliche Tengelmann E-Stores GmbH gehört übrigens zum Gesamtpaket, das die Tengelmann-Gruppe an den Edeka-Verbund verkaufen möchte. Dort sollen die Pureplayer in die Edeka-Tochter Netto integriert werden.

Die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka hatte das Kartellamt zunächst vor einem guten Jahr untersagt, anschließend wurde dem Deal über eine Ministererlaubnis unter Auflagen doch noch die Freigabe erteilt. Über die genauen Konditionen wird nach wie vor verhandelt. Wann und wie es mit der Tengelmann E-Stores GmbH daher einmal bei Edeka weitergeht, ist momentan völlig offen.

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1 Kommentar zu Babymarkt.de: Tengelmann-Tochter plant zusätzliche Filialen

  1. Kann man so oder so sehen. 10% mehr Umsatz bei 14% höheren Warenkörben.. heisst unter’m Strich weniger Orders.

    Im SEO komplett abgemeldet, Verkaufsfokus komplett vergleichbare Fremdmarken, jetzt irgendeine Art von Multi-Channel mit reinem Babyfokus (wobei ja gerade das OnTop Geschäft mit Mode & Co profitabel ist) .. ich sehe das krisch, sieht für mich nicht nach einemm nachhaltig profitabel skalierbaren Geschäft aus.

    Sieht so aus, dass gerade kräftig gerudert wird um noch irgendeine Art von Return zu bekommen, worauf ich allerdings nicht wetten würde.

    Klick, Klick, Glück? Glaube ich nicht.

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