Auslandsreport: Argos interaktiviert seinen Print-Katalog

Erst kürzlich hat der britische Multichannel-Händler Argos aufhorchen lassen, weil immer mehr seiner über 730 vorhandenen Filialen ein interaktives Store-Format erhalten („Argos digitalisiert seine Ladengeschäfte“). Nun wird auch der Print-Katalog des Universalanbieters aufgewertet:

„Leading digital retailer Argos is incorporating augmented reality technology into its publications and customer apps on the largest scale ever by a UK retailer. More than 300 pieces of augmented reality content have been built into the new Argos catalogue launched on Saturday, which will springboard millions of smartphone and tablet users to access extended ranges, product videos, special offers and quizzes online.“

Wenn Kunden im Katalog mit ihrem Smartphone zusätzlichen Content aufrufen können, sind die Seiten mit einem entsprechenden Logo markiert (siehe Video). Um die Infos abzurufen, müssen Kunden aber zuvor die Smartphone-App von Argos auf ihrem Gerät installieren.

Argos interaktiviert seinen Print-Katalog, da ein erster Test nach eigenen Angaben erfolgreich verlaufen ist. So haben die Briten erstmals im vergangenen Sommer getestet, wie Kunden auf digitale Zusatzinformationen in Print-Katalogen anspringen. Damals hatte Argos eine Software des Anbieters Blippar genutzt, so dass Kunden zum Scannen die gleichnamige App auf ihrem Endgerät installieren mussten. Nun verwenden die Briten eine Software von Aurasma, die direkt in die App des Händlers integriert worden ist. Dadurch können Nutzer die Zusatzinformationen jetzt erstmals abrufen, ohne eine weitere App installieren zu müssen.

Argos AppsBildquelle: Screenshot

Doch auch wenn Kunden nun einfacher an die interaktiven Informationen kommen, bin ich von dem Verfahren nicht überzeugt. Zum einen sind die Zusatzinformationen nach wie vor nur für Nutzer abrufbar, die ein Smartphone besitzen und bereits die Argos-App verwenden. Dadurch schafft Argos zunächst einmal (technische) Hürden, was die Reichweite schmälert. Zum anderen sind entsprechende Anwendungen für mich prinzipiell nur dann gerechtfertigt, wenn tatsächlich die Wirklichkeit um zusätzliche Informationen angereichert wird.

So etwas ist beispielsweise der Fall, wenn Kunden – wie etwa bei Mister Spex – im Online-Shop virtuell Brillen am heimischen PC anprobieren können. Bei Argos dagegen führen Scans bisweilen nur auf mobil-optimierte Shopping-Seiten oder zu Online-Videos, die man auch über einen normalen Link aufrufen könnte. Das wird in der Praxis gerne gemacht, da man auf diese Weise vorhandenen Content zweitverwerten kann und nicht in neuen Content investieren muss.

Verkaufen kann man so etwas vielleicht unter dem Label „Augmented Reality“, tatsächlich sind solche Anwendungen aber weiter entfernt von einer erweiterten Realität. So droht, dass der dürftige Content wahrscheinlich die Kunden in ihrer (hohen) Erwartungshaltung enttäuscht.

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2 Kommentare zu Auslandsreport: Argos interaktiviert seinen Print-Katalog

  1. Hallo Stephan,

    mein erster kurzer Kommentar – ich komme auch zu einem ähnlichen FAZIT.

    V.a. wo ist der Unterschied zum QR-CODE Scan? Ich sehe ebenfalls keinen außer der Begrifflichkeit „Augmented reality“. Die QR-Funktion will ja nicht schlecht sein, aber die Gefahr der Enttäuschung sehe ich auch.

    Im schlimmsten Fall führt dies dazu, dass zukünftig im Katalog technische Details oder wesentliche Produktdaten aus Platzgründen weggelassen werden, die nur noch per APP darstell bar sind. Alle Nutzer ohne APP, die sich jetzt evtl. im Katalog schon nicht mehr 100% zuhause fühlen, würden dann zusätzlich vergrätzt.

  2. Nach eigenen Angaben gibt es durchaus AR-Content (http://www.homeretailgroup.com/news-and-media/news.aspx?&article=6079):

    Virtually ‘try on’ 11 pages of watches in the comfort of your own home.

    Launch 3D models of the latest toys, including Transformers, My Little Pony, Animagic, Barbie, Disney Frozen and Sofia the First.

    Place an actual size TV in your room before you buy it to check that it fits and looks good.

    Allerdings kann man manchmal eben halt auch nur Online-Videos und Websites aufrufen, was mit AR nichts zu tun hat. Das war/ist aber nach meinem Wissensstand auch bei Ikea-Katalogen der Fall.

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