“Auf Eis gelegt”: Eddie Bauer expandiert doch nicht offline

Der auf Outdoor- und Freizeitbekleidung spezialisierte Textilversender Eddie Bauer feiert doch kein Comeback im deutschen Einzelhandel. Konkret wurde die ursprünglich für das laufende Geschäftsjahr geplante Shop-in-Shop-Kooperation “vorerst auf Eis gelegt“, wie der Textilhändler auf Nachfrage von neuhandeln.de erklärt. Momentan scheint es sogar unrealistisch, dass die Expansion überhaupt noch umgesetzt wird – so gebe es “in naher Zukunft hierzu keine Pläne“.

Eddie BauerEddie Bauer fokussiert sich weiter auf den Versandhandel (Bild: Screenshot)

Eigentlich wollte Eddie Bauer seine Shop-in-Shop-Kooperation bereits in dem vergangenen Geschäftsjahr 2014/2015 (Stichtag: 28. Februar) an den Start bringen, wie ich vor gut einem Jahr exklusiv auf neuhandeln.de berichtet hatte. Damals hieß es, dass man die Expansion in den stationären Einzelhandel bereits vorbereite. Spannend war dieser Plan nicht zuletzt vor dem Hintergrund, weil Eddie Bauer bereits zuvor auf der Fläche präsent war, seine letzte eigene Filiale aber Anfang 2009 geschlossen hatte. Durch diese Maßnahme wollte der Textil-Spezialist seine Kosten reduzieren und die Ertragslage verbessern. Wegen dem Rückzug aus dem stationären Einzelhandel ging damals aber auch der Umsatz zurück (siehe Grafik).

Mit einem Shop-in-Shop-Konzept hätte Eddie Bauer nun wieder offline expandieren können, ohne dabei eigene Filialen betreiben zu müssen. Von der geplanten Offline-Offensive war man allerdings bereits im vergangenen Jahr wieder ein Stück weit abgerückt und hatte den Start auf das aktuelle Geschäftsjahr 2015/2016 verschoben, das aber nur noch wenige Monate dauert.

Neue Geschäftsführer, neuer Eigentümer: Darum liegt das Projekt auf Eis

Dass die Kooperation nun auch nicht mehr in den verbleibenden Wochen bis zum Ende des Geschäftsjahres am 28. Februar startet, hat seine Gründe. So habe sich bei Eddie Bauer im vergangenen Jahr sehr viel getan, weshalb man die Shop-in-Shop-Kooperation nicht weiter verfolgt hatte. Unter anderem wurde Eddie Bauer Deutschland im Oktober 2014 von Eddie Bauer aus den USA gekauft, wodurch es einen Wechsel in der Geschäftsführung gab. So sind heute Neil Wright und Stephen Bechwar als Geschäftsführer für Eddie Bauer zuständig, vor einem Jahr waren dagegen Werner Schulz und Julia von Patow-Schulz im Management.

Der Hintergrund: Eddie Bauer ist in Deutschland seit 1995 aktiv und entstand durch ein Joint Venture zwischen Eddie Bauer USA und den Textilversendern Heinrich Heine und SportScheck aus der Otto-Gruppe. 2008 hatte aber mit Werner Schulz der Beiratsvorsitzende von Eddie Bauer Deutschland alle Anteile im Rahmen eines Management-Buyouts übernommen. Im vergangenen Jahr ging das Deutschland-Geschäft dann komplett an Eddie Bauer Amerika.

Verkauft wird in Deutschland über den Versandhandel mit einem eigenen Online-Shop und Print-Katalogen sowie über Kooperationen mit anderen Versendern und zwei stationären Outlets in Köln und München. In den USA dagegen ist der Händler bereits seit 1920 aktiv und betreibt in Nordamerika neben dem Versandhandel auch zusätzlich noch eigene Filialen.

Eddie Bauer KennzahlenBei Eddie Bauer sank der Umsatz über die letzten Jahre spürbar (eigene Grafik)

Laut dem zuletzt veröffentlichten Jahresabschluss kam die deutsche Eddie Bauer GmbH & Co. KG im vorletzten Geschäftsjahr 2013/2014 (Stichtag: 28. Februar) auf einen Netto-Umsatz von 26,3 Mio. Euro, wodurch der Umsatz zum Vorjahr um zwei Prozent gesunken war. Bei dem eigenen Versandhandel gab es zwar ein Plus von 4,1 Prozent auf 20,0 Mio. Euro. Parallel gab es aber beim Großhandel ein Minus von 21,2 Prozent auf 5,2 Mio. Euro, weil unter anderem das Sales-Angebot bei den Partner Heine und Otto reduziert wurde. Der Jahresüberschuss betrug damals 1,4 Mio. Euro und lag damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (1,3 Mio. Euro).

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